Montag, 11 September 2017

Zwei in einem macht 1:2

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags 2_Bundesliga Heimspiel Saison 2017-2018 SV Darmstadt 98 VfL Bochum, Aufrufe: 738

#D98VFL

Zwei in einem macht 1:2

Dass Fußball manchmal eine merkwürdige Sportart ist wissen die meisten Anhänger nur zu gut. In wenigen Fällen ist Fußball sogar derart merkwürdig, dass Versuche, ein Ereignis zu erklären oder einordnen zu wollen, fast zwangsmäßig zum Scheitern verurteilt sind. Die Besucher des Spiels der Lilien gegen den VfL Bochum wurden Zeugen eines Spiels, dessen Ausgang zumindest aus Sicht der Heiner viele Fragen aufwirft und wohl auch schwer zu erklären ist.

Dabei begann der Kick aus Liliensicht alles andere als schlecht. Nach einer kurzen Phase des Abtastens waren die Rollen klar verteilt. Die Hausherren beherrschten den Gast aus dem tiefen Westen spielerisch, kämpferisch und individuell fast nach Belieben. In einigen Szenen machte der eine oder andere gar fast einen Klassenunterschied aus. Dem Spielwitz und den schnellen Kombinationen hatte der Gast wenig entgegen zu setzen. Nur eins ließen die Heiner bereits in dieser Phase vermissen, den Drang zum Tor. So blieben zwingende Torchancen Mangelwahre.

Nur einer war mal wieder so richtig heiß auf einen Torerfolg, Captain Sulu. Zusammen mit Tobi Kempe hauchte der Captain einem alten Lilienklassiker wieder Leben ein. Ecke Kempe - Kopfball Sulu - Tor für die Lilien (24.). Ein Treffer, der die Überlegenheit nur unzureichend abbildete, der aber aufgrund seltener Torgefahr fast schmeichelhaft war.

Das Erfolgserlebnis schien die Lilien noch zu beflügeln. Von nun an gab es einige Spielzüge zu bestaunen, die man in dieser Qualität am Bölle so nicht erwarten würde. Auf den Rängen war man sich einig, auch dieser Spieltag bestätigte die positive Entwicklung des Teams der letzten Spiele. Dabei ging es völlig unter, dass der SV98 es versäumte, die Überlegenheit in Tore umzumünzen, denn im Sturm herrschte Flaute. Und zu allem Überfluss bemerkte wohl niemand, dass bereits kurz vor der Halbzeitpause das spielende Personal der Heiner kollektiv um mindestens zwei Gänge zurückschaltete. Ohne, dass der VfL sich sonderlich steigern musste war er plötzlich im Spiel.

Dieses Bild änderte sich im zweiten Durchgang nicht mehr. Der Blick auf die Uhr wurde ab der 46.Minute zur ungeliebten Gewohnheit bei den Lilienfans und der alte Spruch, “die betteln um en Gegentor” machte zunehmend die Runde. Es war aber auch zum Haare raufen, weg war sie die Spielbeherrschung und an spielerische Souveränität erinnerte nichts mehr. Den Bochumern reichte ein Besinnen auf Grundtugenden der 2.Liga, um das Heft des Handelns an sich zu nehmen und um letztlich auch zum Erfolg zu kommen. Ohne die Leistung des VfL herabwürdigen zu wollen, aber die Passivität der Lilien war eher der Geburtshelfer des Sieges, denn eigene Stärke. Wahrscheinlich wunderten sich die Kicker aus dem Pott selbst über die Freiheiten, die sie genossen und wie ungehindert sie selbst im Strafraum der Gastgeber agieren konnten.

Die Treffer zum Sieg des VfL (81.Diamantakos & 88.R. Kruse) waren die logische Folge einer Halbzeit der Lilien, in der sie nicht stattfanden. Der Sieg der Bochumer ist völlig verdient, weil sie die sich bietende Chance, die die Hausherren auf dem Silbertablett anboten, konsequent nutzten. Die Lilien schafften es nicht mehr, die Gänge höher zu schalten, die man kurz vor der Halbzeitpause ohne Not aufgegeben hatte.

In der Zusammenfassung wirft dieser Spieltag eine Menge Fragen auf. Die drängendste dabei dürfte sein, wie es passieren kann, zwei derart unterschiedlich korrelierende Leistungen in einem Spiel zu anzubieten? Was führt dazu, die Spannung derart zu verlieren?

Aber Torsten Frings wird sich sicherlich noch mit der Frage beschäftigen müssen, wie der Offensive der Heiner Leben eingehaucht werden kann. Artur Sobiech bemüht sich zwar redlich, aber ebenso ineffektiv. Der für ihn eingewechselte Boyd wusste ebenfalls nicht zu überzeugen. Da bei den Lilien mit Maclaren, Bezjak und dem Rückkehrer Felix Platte gleich noch drei weitere Hoffnungsträger unter Vertrag sind sollte es zumindest personell Alternativen geben. Es fragt sich, ob im Rahmen des Neuaufbaus auch ein entsprechender Plan hinterlegt ist. Im Moment zumindest gelingt es noch nicht, einen Gegner in seinem eigenen Strafraum dauerhaft einer Torgefahr auszusetzen.

Man darf gespannt sein, wie dieser Dämpfer ver- und aufgearbeitet wird. Am kommenden Sonntag besteht gegen Bielefeld bereits die Gelegenheit, diesen Ausrutscher zu relativieren.

Ein reumütiges Geständnis wird medial zur Krone des Fairplay

sv98 vfl rudelbildungAls Referee Benedikt Kempkes in der 63.Minute auf Strafstoß zugunsten des VfL entschied, bot sich den bis dahin in Rückstand liegenden Bochumern scheinbar die Gelegenheit den Ausgleich erzielen zu können. Dass dem nicht so war ist dem Umstand zu verdanken, dass der vermeintlich gefoulte Bastians dem Schiedsrichter gegenüber - nach Befragung - zugab, dass es keinen Gegnerkontakt gab und er schwalbenhaft Spektakulär abgeflogen war. Diesem Geständnis waren Szenen vorausgegangen, die eher auf eine griechisch-römische Ringermatte gehören denn aufs satte Grün eines Fußballfelds. Eine rekordverdächtige Rudelbildung, sicherlich inklusive einiger einhergehender, freundlicher Verbalinjurien und die ein oder andere körperliche Ermahnung wurden zwischen den Kombattanten ausgetauscht.

Ob Bastians sich davon beeindruckt zeigte oder ob ihn sein Gewissen plagte ist ungeklärt. Zumindest aber war er gegenüber dem Entsandten des DFB so etwas wie restehrlich. Warum er aber in den Medien fast zu einem Helden des Fairplay hochstilisiert wird erschließt sich nicht. Scheinbar ist der Versuch der Täuschung mittlerweile allgemein akzeptiert und man kann es mit einer einfachen Richtigstellung ungeschehen machen. Anständig war Bastians, aber ein Vorbild des Fairplay?

 

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