Mittwoch, 26 Juli 2017

Wundertüte Saisonstart

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags 2_Bundesliga Heimspiel Saison 2017-2018 SpVgg_ Greuther Fürth SV Darmstadt 98, Aufrufe: 1289

#D98SGF

Wundertüte Saisonstart

Fußballfans teilen das Jahr nach einem eigenen Kalender ein. Die vier Jahreszeiten sind: Hinrunde, Winterpause, Rückrunde und Sommerpause. Auch das Neujahrsfest fällt nicht auf die Nacht vom 31.12. zum 1.1., sondern auf den Monatswechsel 30.Juni zum 1.Juli. Markiert der erste Tag des zweiten kalendarischen Halbjahres doch den administrativen Start einer neuen Saison. Es versteht sich, dass die spielfreie Zeit normalerweise nicht übermäßig beliebt ist. Nicht so dieses Jahr bei den Lilien. Obwohl oder gerade weil die treue Fanschar einen Abstieg zu verdauen hatte,

Vielleicht spielte es eine Rolle, dass man genügend Zeit hatte sich auf Gang in die 2.Liga vorzubereiten. Aber ganz sicherlich war es der Arbeit Torsten Frings zu verdanken, dass die Rückversetzung nicht zu einem sonst so oft zu beobachteten Totalschaden wurde. Bereits in der Rückrunde, in aussichtsloser Situation, begann er mit dem Umbau des taumelnden Sportvereins. Es gelangen unter seiner noch jungen Ägide unerwartete Achtungserfolge, die dafür sorgten, dass der Abstieg mit erhobenem Haupt akzeptiert wurde und er deutete an, wie seine Vorstellung eines anderen, neuen SV98 aussehen. So wurde die nun vergangene Sommerpause zu einem spannenden Intermezzo, das seine Dramaturgie aus dem Personalkarrusel bezog.

Dem kräftige Ausmisten des alten Kaders stehen mittlerweile erstaunliche Neuzugänge und Vertragsverlängerungen entgegen. Auch wenn liebgewonnene “Helden”, wie Dominik Stroh-Engel, Benjamin Gorka, Marcel Heller oder Jerome Gondorf ebenso, wie die Leistungsträger Michael Esser und Felix Platte nicht mehr die Lilie auf der Brust tragen, sank die Stimmung der Fans nicht in ein schwarzes Loch. Denn die Neuzugänge lesen sich prominent oder vielversprechend. Den Anfang machte Kevin Großkreutz, der seine Karriere dann doch noch nicht begraben wollte und - Achtung: Symbolhaft - einen Neuanfang bei unserem Sportverein von 1898 versucht. Zusammen mit Hamit Altintop und Artur Sobiech laufen also einige nominelle Schwergewichte für die Lilien auf.

Wie schon angedeutet, dokumentiert der Cheftrainer seinen Willen zur Veränderung auch bei den Neuverpflichtungen. Neben den Arrivierten finden sich nun auch eine ganze Reihe junger, wilder Spieler. Allesamt mit längerfristigen Arbeitspapieren versehen und ganz sicher nicht als Füllsel vorgesehen, damit das Mannschaftsfoto beeindruckt. Hier seien beispielhaft Jamie Maclaren, Orrin McKinze Gaines II, Romuald Lacazette und Marvin Mehlem genannt.

Wir halten fest, dass Frings als erste Veränderung administrativ auf langfristige Verträge setzt. Die zweite gravierende Änderung: Er setzt auf eine Mischung zwischen alt und jung. Aber was hat er auf dem Grün vor? Hier kann man die Rückrunde und die nun verstrichene Vorbereitung als Fingerzeig nehmen. Er (und sein Stab) setzen auf aktiveren Fußball, bei dem spielerische Akzente gesetzt werden sollen. Sind damit die Tage der mittlerweile legendären schusterschen Qualitäten vorbei? Wohl nicht ganz. Die Defensivabteilung der Heiner verfügt mit den Spielern, die gehalten werden konnten, über eine Menge an Erfahrung und wohl auch Qualität.

Auf dem Papier und sicherlich von den ehrgeizigen Ambitionen aller Beteiligten her geht der SV98 als einer der Favoriten in die neue Saison. Das ist ungewohnt. Allenfalls in der Oberliga Hessen, unter den Trainern Bruno Labbadia und Slavko Petrovic, wurde diese Rolle den Woogsstädtern zugespochen.Und das muss erstmal verinnerlicht werden. Nicht zuletzt, weil die Lilien in den letzten Jahren der Renaissance stets die Rolle des Underdogs bekleideten, ist diese Veränderung wohl die weitreichendste. War man bisher der Jäger, ist man nun der Gejagte. Jeder Zweitligist wird heiß darauf sein, die Autoren der Definition eines Fußballmärchens, in die Grenzen zu weisen. Aufgrund der außergewöhnlichen Story der letzten Jahre und aufgrund des Umstands, dass die Heiner eine lebendige und heißblütige Fanszene haben, werden die Spiele gegen die Lilien für die meisten Verein zum Highlight machen.

Es gilt also zunächst kühlen Kopf zu bewahren, um einen guten Saisonstart hinzulegen. Das neue Ensemble, mit neuer Ausrichtung und in neuer Rolle muss erst noch Erfahrung im gemeinsamen Wettkampf sammeln. Dabei wird aber bei jedem im Hinterkopf das “U”-Wort eine Rolle spielen. Denn, machen wir uns nichts vor, auch wenn die Rückkehr in die Belétage nicht expressis verbis formuliert wird, so schwebt die Hoffnung über dem Altehrwürdigen. Oder ist es vorstellbar, dass Hamit Altintop in Darmstadt verlängert hat, um mit Platz 10 der 2.Liga seine ruhmreiche Karriere zu krönen? Aber, und da sind wir völlig bei ihm, zum Beginn der Runde sollte man zunächst in die Saison kommen, bevor Ziele formuliert werden. Unnötiger Druck kann ein noch fragiles Gebilde zu sehr belasten.

Vielleicht ist Greuther-Fürth genau der richtige Einstieg ins Abenteuer Saison 2017-2018. Gilt der einst als erster moderner Kunstclub verschriene Verein mittlerweile doch als grundsolides Urgestein des Unterhauses. Was der derzeit 2.Platz der ewigen Tabelle der 2.Liga untermauert. Der Vater der Fusion der SpVgg. Fürth und des TSV Vestenbergsgreuth, Helmut Hack, gilt als umsichtiger und gradliniger Vereinsboss. Fast möchte man sagen, dass diese Attribute auch stets von Kleeblatt-Mannschaften auf dem Platz getragen werden.

In der vergangenen Saison belegten die Ronhofer mit 45 Punkten einen stabilen 8.Platz. Was nicht unbedingt für Freudentaumel bei Helmut Hack gesorgt haben dürfte, aber nach einem massiven Umbruch war vielleicht auch nicht mehr zu erwarten. Zudem, auch wenn man sich in Fürth in Bescheidenheit übt, so denkt man doch gerne an die Saison 2012-2013 zurück, als man erstmalig in der Bundesliga mitspielen durfte. Für die kommende Saison hat sich der dreimalige Deutsche Meister (1928/1928, 1925/1925, 1913/1924) gezielt verstärkt. Erfahrene Spieler, wie Omladic (kam von Braunschweig) Hofmann (Brentford) oder Wittek (1860) signalisieren der Konkurrenz, “wir wollen ein Wörtchen mitreden”.

Trainer János Radoki, der 5 Tage länger im Amt ist als Torsten Frings, fährt aber nicht ganz sorgenfrei zum Saisonauftakt ans Bölle. Mit Bolly (MS), Hofmann (MS), Sararer (LM), Magyar (IV), Maloca (IV) und Funk (TW) fällt fast eine halbe Mannschaft verletzungsbedingt aus.

Lilien Cheftrainer Frings plagen dagegen Luxusprobleme. Der Lilienkader steht in voller Blüte komplett zur Verfügung. Derzeit ist nichts über größere oder kleinere Blessuren bekannt, die ein Aufbieten der, nach des Trainers Meinung, besten Formation verhindern würde. Wir dürfen gespannt sein, welche Formation mit welcher taktischen Ausrichtung bestreiten wird. Dass es nicht leicht ist, eine Startformation zu benennen, haben Hobbytrainer in den sozialen Netzwerken schon ausgiebig diskutiert. Bestimmt 12 verschiedene Variationen wurden genannt. Jede dabei scheinbar gleich stark, wie die anderen Vorschläge. Offenbar hat Frings und sein Team bei der Zusammenstellung des Kaders gute Arbeit geleistet.

Ob dem wirklich so ist, werden wir am Samstag erstmalig sehen, auch wenn es “nur” eine erste Momentaufnahme ist.

 

 

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