Sonntag, 29 Juli 2018

Weiter gehts

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags 2_Bundesliga Heimspiel Saison 2018-2019 SC Paderborn 07 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 426

#D98SCP

Weiter gehts

Verrückte Fußballwelt, zum ersten Mal seit der Saison 91/92 spielen die Lilien mal wieder eine zweite Saison in der 2.Bundesliga in Folge. Noch kurioser wird es, wenn man bedenkt, dass kommenden Sonntag mehr Fans zwei aufeinander folgende Erstligasaisons erlebt haben, als eben diese in Liga 2. Bei dieser Gelegenheit wird einem wieder einmal klar, wie viel der Sportverein von 1898 in den letzten Jahren erreicht hat und wie viel er verlieren kann.

Wobei die vergangene Saison genügend Drama lieferte, dass vor allem alteingesessene Lilienfans ihre ausgeprägte Allergie gegenüber der 3.Liga (wieder)entdeckten. Nicht, dass diese Liga sportlich unattraktiv wäre. Aber der Aufwand, der betrieben werden muss, um wieder in den hochdotierten Geltungsbereich der DFL zu kommen ist immens und sicherlich kein Selbstläufer. Vor dem Hintergrund, das Altehrwürdige ertüchtigen zu müssen, wäre das gerade noch abgewendete Szenario der worst case gewesen.

Na ja, es ist ja nochmal gut gegangen. Und auch wenn der letztendlich erreichte 10.Platz mehr als schmeichelhaft scheint, so sehr war er auch ein Segen. In finanzieller Hinsicht allemal. Aber auch, um den Mythos Dirk Schuster aufzufrischen. Was zumindest im Umfeld auch nötig war. Nicht wenige trugen ihm seinen Abgang vor ein paar Jahren nach. Vielleicht auch dies nicht zu Unrecht. Aber Schuster bewies, dass er es ernst meinte, als er den zweiten Versuch startete. Mit seinen typischen Eigenschaften, harte Arbeit und einer geraden Linie folgend, schaffte er es, nicht nur die taumelnden Kicker wieder zu einer Mannschaft zu formen, er gewann auch die Gunst der meisten Fans zurück, Es dürfte nicht übertrieben sein, wenn man konstatiert, Schusters Wort ist am Bölle in (maroden) Stein gemeißelt.

Dies dürfte auch sein größtes Faustpfand für die kommende Saison sein. Durch den Erfolg, den er irgendwo in seinem Trainerzimmer bunkert, erreicht er seine Kicker. Sie glauben an ihn. Sie glauben an seine Worte, Ideen und an seine Trainingsmethoden. Wer einen Abstiegskandidaten zu elf ungeschlagen Spielen in Serie führt, der kann nicht komplett irren. Dieser Glaube ist der erste Schlüssel und die Basis, auf der er seine Arbeit aufbaut. Der zweite Grundpfeiler ist, dass er es tatsächlich schafft, jeden (na ja fast) Spieler zu verbessern. Schuster inszeniert eine Vorbereitung als eine Art Qualifikation, um Teil eine Eliteeinheit zu sein. Größten Wert legt er dabei auf Einheit. Sein dritter Pfeiler heißt Werte. Dies lebt er täglich vor und er praktiziert sie auch, wie sogar an der schleppenden Transferpolitik abzulesen ist. Bevor ein Schuster den Kader wahllos auffüllt, wie vor Jahresfrist geschehen, lässt er eben Kaderplätze frei. Ein Spieler muss hinter der Idee stehen, die der SV98 unter Schuster verkörpert und sich mit der Aufgabe identifizieren. Dies wertet die Kicker auf, an denen er festhält und gibt Neuen das Gefühl, dass es nicht selbstverständlich ist das Trikot mit der Lilie trage zu dürfen.

Bei all dem darf man nicht vergessen, dass der Name Schuster aber nicht für fulminanten Fußballzauber steht. Ganz im Gegenteil! Schuster-Fußball gilt eher als unattraktiv, da die defensive Ordnung über allem steht. Zerstören, hart gegenüber dem Gegner und wenig Lust, ein Spiel zu gestalten, so die landläufige Meinung. Ob dies tatsächlich zutrifft, oder ob es ein Stereotyp ist, darf man sich fragen wenn man sich Spiele wie in Bielefeld, bei Hertha und letzte Saison in Regensburg in Erinnerung ruft.

Von Seiten des Vordenkers in Sachen Sport scheinen die Lilien bestens vorbereitet für ihre anstehende 21. Saison in der 2.Liga neuerer Prägung. Wie schaut es aber beim spielenden Personal aus? Eins vorneweg, Stand heute ist der Kader nur als unvollständig zu bezeichnen. Diese Erkenntnis ist keines der Betriebsgeheimnisse in der Nieder-Ramstädter-Straße. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit diktieren Verantwortliche des Vereins fast mantrahaft, dass noch zwei bis drei, vielleicht sogar vier Verstärkungen kommen sollen. Stets mit Gewicht verleihender Betonung des Substantivs. Das Regal, von dem sich die Lilien bedienen, ist mittlerweile einige Qualitätsstufen höher als noch vor ein paar Jahren. Spieler mit Erstligaerfahrung, die aber, warum auch immer, durch das gnadenlose Raster der Eliteliga fallen, sollen es dann doch sein. Klar, wer als Verein in der Vorsaison sich Namen und Gehälter, wie Altintop, Großkreutz oder Sobiech leistete, möchte dann doch die Lücken auch wieder prominent, aber effektiv(er) füllen.

Wobei letztgenannter Sobiech auch einn Teil der zu bewältigenden Probleme personifiziert, denn bevor er keinen neuen Verein findet ist sein Kaderplatz nicht frei und kann nicht neu besetzt werden. Gerne heftet man sich am Bölle das Prädikat vertragstreu ans Revers. Nüchtern betrachtet dürfte aber das geltende Arbeitsrecht der Antrieb sein. Spieler werden unter bestimmten Umständen Vereine eher los als umgekehrt, eine bedenkliche Entwicklung im Profifußball, die mal näher beleuchtet werden müsste. Fakt ist aber, Schuster will keinen und der SV98 kann keinen aufgeblähten Kader „bespaßen“ (O-Ton Schuster). Die Fehlentscheidungen der letzten Jahre zu revidieren ist nicht mal eben so zu erledigen und legt deutlich Zeugnis ab, wo es beim Sportverein noch hapert. In den Strukturen nämlich. Wie viel Vereine der ersten drei Ligen leisten sich den Luxus, auf einen Sportmanager zu verzichten? Klar ist das keine Garantie auf Erfolg und Vereine steigen auch mit Sportmanager ab, aber unter dem Strich gibt es mehr erfolgreiche Vereine mit Sportmanager. Zumal man als Lilienfan Schuster jeden Abend ins Gebet einschließen sollte, damit er noch möglichst lange gesund bleibt. Es ist fraglich, wie der Verein ein weiteres Vakuum übersteht, das durch eine Post-Schuster-Ära entstehen würde.

Gut, an dem Punkt sind wir glücklicherweise nicht. Derzeit steigt die Spannung und die Vorfreude auf die kommende Saison. Eine Saison, die als Überschrift „sorgenfrei“ vor sich herträgt. Sorgenfrei dürfte es am ehesten treffen, denn eine Wiederholung der letzten Saison wünscht sich niemand, aber stressfrei wird sie dann hoffentlich doch nicht. Es gibt ja auch so etwas wie positiven Stress. Zwar verbietet es sich, an Höheres zu denken, aber, wer den Dirk kennt, weiß, dass er jede sich bietende Chance nutzen wird, sei sie noch so klein. Träume dürfen und müssen gelebt werden und am Ende des Tages ist Fußball Sport und jeder echte Sportler will nur eins: gewinnen. Wie weit es der SV98 bringen wird, steht allerdings momentan noch in den Sternen.

Die Vorbereitung auf eine neue Saison bewerten wir bei boelle.org traditionell nicht, oder besser, die Ergebnisse. Ein Resümee sei aber erlaubt, die Mannschaft erscheint körperlich in einem sehr guten Zustand und die so wichtigen Automatismen halten langsam Einzug. Zu was das am ersten Spieltag taugt, ist die alles beherrschende Frage. Erschwerend kommt hinzu, dass der Gegner, ein aus Liliensicht komplett unbeschriebenes Blatt ist. Gegen den SC Paderborn 07 bestritten die Heiner noch nie ein Spiel. Gegen einen der Vorgängervereine, TuS Schloss Neuhaus, gewannen die Lilien am 30.April 83 in der 2.Liga mal mit 7:0, aber mehr gibt es nicht zu erwähnen. Über die 1:3 Hinspielniederlage decken wir den Mantel des Schweigens.

Wer oder was ist also der SC Paderborn? In Kurzform: Nach einigen Fusionen lokaler Vereine wurde am Ende 1985 das Endprodukt auf die Menschheit losgelassen. Es sollte aber bis zur Saison 05/06 dauern, bis man erstmalig in die 2.Liga aufstieg. Drei Saisons später verdrückte man sich wieder für ein Jahr in die Drittklassigkeit. Nach dem Wiederaufstieg in den echten Profifußball erfreute man sich vier Jahre an der Zweitklassigkeit, bevor man im fünften Jahr als Vizemeister erstmalig die Beletage besuchte. Hier sorgte der SCP für große Schlagzeilen, als er am vierten Spieltag die Tabellenführung der Bundesliga inne hatte. Was dann folgte ist ein historischer Absturz, mit zwei Abstiegen in Folge, Nicht umsonst sprach man am Böllenfalltor letzte Saison davon, dem Beispiel Paderborns nicht folgen zu wollen. Fast hätten die Westfalen noch einen weiteren Abstieg hinzugefügt, aber der Lizenzentzug der Münchener Löwen von 1860 hielt sie in der Liga,

Dieses Schockerlebnis entfesselte den SCP. Mit Trainer Steffen Baumgart legten sie eine souveräne letzte Saison in der 3.Liga hin. Die Meisterschaft wurde zu Gunsten Magdeburg erst aus der Hand gegeben, als im Grunde alles schon entschieden war. Mit 83 Punkten und einem Torverhältnis von 90 zu 23 wurde man Vizemeister. Was heißt aber bei diesen Zahlen „nur“? Über weite Strecken der Saison bot Paderborn erfrischenden Offensivfußball und war auch spielerisch die Schau der Liga.
Wie sich aber Paderborn in der 2.Liga schlagen wird und wie zweitligatauglich der Kader ist, steht ähnlich in den Sternen, wie bei unseren Lilien.

Fest steht nur, dass Aufsteiger am ersten Spieltag stets unangenehme Gegner sind, die sich von der Euphorie tragen lassen. Positiv haben die Lilien dies selbst erfahren, beim Auftaktsieg 2014 gegen Sandhausen und negativ letzte Saison, beim Erstrunden Aus im DFB-Pokal bei Jahn Regensburg.

Uns erwartet also ein stinknormaler erster Spieltag einer neuen Saison ...

 

 

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