Donnerstag, 08 Mai 2014

Vorhang auf zum letzten Akt

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Heimspiel Holstein Kiel Saison 2013 _ 2014 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 798

Saisonausklang vor großer Kulisse

Vorhang auf zum letzten Akt

_So mancher Lilienfan wünscht sich, dass diese grandiose Saison endlos wäre. Derart erfolgreich, wie das Team der Saison 2013 / 2014, war kein Lilienteam im letzten Vierteljahrhundert (und länger). Souverän wurde der 3.Platz erreicht, der zur Teilnahme an der Relegation gegen den Drittletzten der 2.Liga berechtigt. Die alte Heimat ist in Sichtweite. Folgerichtig beschäftigt sich das Lilienherz mit den essentiellen Fragen, Karten für die Spiele besorgen, frei nehmen am Freitag (Nomen est Omen) respektive dem folgenden Dienstag und am Sonntag gespannt verfolgen, ob der letzte zu besiegende Gegner in dieser Saison aus Ostwestfalen oder Sachsen kommt.

Eigentlich scheint alles sortiert in der heilen, blau-weißen Welt. Da platzte heute eine Meldung in die Idylle rein, deren Reichweite noch nicht abschließend beurteilt werden kann. Die aber weitreichende Auswirkungen hätte, auch für den SV98. Die für den echten Profibereich zuständige DFL hat den Einspruch der Leipziger Brause Filiale gegen die Lizenzbedingungen abgeschmettert. Sprich: sollte der Konzern RB nicht bereit sein, aus RB Leipzig einen, der Form entsprechenden Verein zu machen, gibt’s keine Starterlaubnis für die 2.Liga. Und genau hiervon würden die Lilien profitieren, da sie nun ein direkter Aufsteiger wären. Zu schön, um wahr zu sein. Aber zumindest im Augenblick macht der Ligaverband nicht den Eindruck, von seiner Gangart abweichen zu wollen. So unvorstellbar das auch scheint, denn der moderne, im Turbokapitalismus lebende Fußballfan hat verinnerlicht, dass viel Geld ein Vorteil gegenüber Tradition und manchmal auch sportlichem Erfolg ist. Und Red Bull verfügt über sehr viel Geld.

Dem entsprechend reagiert auch RB-Eigner Mateschitz mit einer Mischung aus gekränkter Eitelkeit und einer Priese „menscheln“. „Schlaflose Nächte“ bereite ihm die Angelegenheit und trotzig manifestiert er, „dass ein weiteres Jahr 3.Liga nicht in Frage komme“ und, dass  er nicht bereit sei, zu zahlen, ohne das Sagen zu haben. Zwischen den Zeilen also die Drohung, das auf einen dreistelligen Millionenbetrag bezifferte Engagement einzustellen. Klar, diese Drohkulisse dürfte in Leipzig und beim Sächsichen Fußballverband glaubhaft für schlaflose Dunkelstunden führen. Interessante Denkweise des erfolgsverwöhnten selfmade Milliardärs, Verbündete über die monetäre Daumenschraube ins Boot holen. Erinnert nur mich das an die überlieferten Rekrutierungsmaßnahmen der Royal Navy im 18.Jahrhundert? Mit an die Kehle gehaltenem Säbel fand man damals tausende Freiwilliger. Seine wahren Intentionen offenbarte der clevere Österreicher aber, als er anmerkte, dass Red Bull unter „ähnlichen Voraussetzungen mit Vettel nienals vierfacher Weltmeister geworden wäre“. In gewisser Weise nachvollziehbar, wer die Kapelle zahlt, bestimmt auch die Musik. Die Sache hat nur einen Haken: Der Fußball nördlich der Alpen funktioniert (auch als Geschäft) anders und ein Formel 1 Team ist kein der Gemeinnützigkeit verpflichteter Verein. Es wundert, dass der Erfolgskonzern die bekannten Spielregeln scheinbar nicht wahr haben will. Oder dachte man, dass die Macht der Vorkommanullen die Spielregeln überschreibt?

Das wird noch eine spannende Angelegenheit mit grundsätzlichem Charakter. Denn eine Lex RB, mit Happy End für den Marketingkonzern, würde den Fußball hierzulande für immer verändern. Nach der Meinung der Mehrheit der Fußballfans zum Negativen.

In der südhessischen Residenzstadt tut man gut daran sich auf das zu konzentrieren, das man selbst beeinflussen kann, den sportlichen Ausgang der Relegationsspiele. Die Vorbereitungen hierzu laufen bereits auf Hochtouren. Die Verantwortlichen des Vereins haben in Abstimmung mit den Fanbeauftragten und der Fanabteilung ein lobenswertes Verteilungsmodell für die hoch begehrten Karten entwickelt. Auch wenn es unmöglich erscheint ein Modell zu entwickeln, das für hundertprozentige Zufriedenheit sorgt, hat man ein Verteilungsmodell gefunden, das in der Kürze der Zeit praktikabel ist und fair erscheint. Einzig, dass bereits 5 Tage vor Start des offiziellen Verkaufs abfotografierte Karten in den sozialen Netzwerken auftauchten, trüben den positiven Eindruck. Ein solches Szenario sorgt im Allgemeinen bei Veranstaltern von hochfrequentierten Veranstaltungen für schlaflose Nächte. Und das aus mannigfachen Gründen.

Das sportliche Epizentrum der Lilienanhänger liegt am Wochenende rund 115 KM östlich der Leipziger Blechbüchsenarmee, in der sächsischen Hauptstadt Dresden. Dort tritt Dynamo gegen Arminia Bielefeld zum Showdown an, welcher der beiden Abstiegskandidaten darf am 16.05. im Altehrwürdigen antreten, das ist die alles beherrschende Frage. Die „Blue-White-Army“ ist gespalten. Sportlich wähnt man Dresden als „machbarer“. Aber vor dem berüchtigten Anhang hat man (freundlich ausgedrückt), gehörigen Respekt, nicht ganz unberechtigt. Es gibt einen deutlichen Unterschied, wie die Dresdner-Szene bei einem normalen Ligaspiel auftritt und wie sie         regelrecht aufschlagen, wenn ein für ihren Verein vitales Spiel ansteht. Wie dem auch sei, beeinflussen kann den Ausgang des Kicks kein Lilienfan. Aber eines ist sicher, die SKY Übertragung wird im großherzoglichen Darmstadt ähnlich frequentiert sein, wie ein WM Endspiel.

Ach ja, den Ball über die Wiese jagen Dirk Schusters Erfolgskicker auch noch selbst. Und zwar am Samstag gegen den Traditionsverein Holstein Kiel. Für alle, die es mit der Lilie halten hat dieser Kick einen ähnlichen Stellenwert wie ein traumhafter Sonnenuntergang am letzten Abend eines Urlaubs auf den Malediven: Einfach zum genießen. Für das Ensemble geht es darum, die Spannung hoch zu halten, damit man nicht ins Bayern München Syndrom verfällt, Karten sollte man vermeiden, ebenso Verletzungen. Der Fokus liegt natürlich auf dem 16.Mai.

Im Grunde könnte im wahrscheinlich ausverkauften Bölle eine große Party starten, wäre da nicht der Gegner, für den es um die „Kleinigkeit“ des Ligaerhalts und somit ums Überleben geht. Die Norddeutschen werden alles daran setzen, ihre Chance beim Schopf zu packen. Sie werden alles in die Waagschale werfen. Unter anderem vor diesem Hintergrund und im Sinne eines sportlich fairen Wettbewerbs hat Dirk Schuster angekündigt, dieses Spiel genau so anzugehen, wie die vorangegangenen 37 Ligaspiele. Er wird sein Team auf Sieg einstellen...

 

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