Samstag, 11 April 2015

Sailers Hammer kann Gold wert sein

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags #FCND98 1_ FC Nürnberg 2_Bundesliga Auswärtsspiel Saison 2014 _ 2015 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 1008

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Sailers Hammer kann Gold wert sein

_Marco „Toni“ Sailers Tor in der 73.Minute war nicht nur schön, es könnte in der Endabrechnung auch eines der wichtigsten in 117 Jahren Darmstädter Fußball gewesen sein. Sicherte der Treffer doch einen Punkt, der zumindest übers Wochenende den SV98 als direkten Aufsteiger ausweist. Aufgrund einer schlechten ersten Halbzeit muss das Unentschieden als Punktgewinn betrachtet werden. Denn ausgerechnet beim alten Rivalen kam Schusters Kollektiv ungewöhnlich schlecht ins Spiel.

Man kann darüber spekulieren, ob der um eine viertel Stunde verschobene Anpfiff wegen der Verspätung des Sonderzugs oder die personellen Änderungen in der Startelf eine Rolle spielten. Die Lilien liefen ihren Gegenspielern hinterher, verloren außergewöhnlich viele Zweikämpfe und setzten kaum Impulse nach vorne. Oder lag es daran, dass die Gastgeber Qualitäten an den Tag legten, für die eigentlich die Boys in blue bekannt sind. Sie kämpften aggressiv, auch übers Erlaubte hinaus. Und sie würzten ihren Auftritt zuweilen mit Schauspieleinlagen, auf die das schwache Schiedsrichtergespann reinfiel. So z.B. 52. Minute, als Marcel Heller für ein angebliches Foul an Glubb-Goalie Schäfer verwarnt wurde. Widerlich, wie sich Schäfer Oskar verdächtig wälzte, um gleich wieder aufzuspringen, als er sah, dass Heller den gelben Karton sah.

Der erste Durchgang ging klar an die Franken. Logische Folge war das 1:0 in der 34.Minute, das nach einer Ecke fiel – eigentlich Lilienstilistik. Begünstigt wurde der Treffer durch kollektive Orientierungslosigkeit von Florian Jungwirth und Romain Bregerie. Nürnbergs Burgstaller hatte aus kurzer Entfernung wenig Mühe, satt zu vollstrecken. Und nur zwei Minuten später brannte es erneut Lichterloh in der Lilienabwehr, als Sandro Sirigu eine Kopfballrückgabe zu kurz zirkelte. Christian Mathenia und Fabian Holland mussten Kopf und Kragen riskieren, um das wohl vorentscheidende abzuwenden. Sirigu war kurzfristig für Leon Balogun ins Team gerutscht, da dieser mit Oberschenkelproblemen signalisierte nicht spielen zu können.

Dirk Schuster reagierte und änderte die Aufstellung, in dem er Marco Sailer für Jungwirth ins Spiel brachte. Sinnbildlich für die erste Halbzeit, in der die Lilien wie ein angeschlagener Boxer taumelten, musste in der 45.Minute Milan Ivana ein Turban verpasst werden. Eine blutende Kopfverletzung nach einem Kopfballduell war der Grund. Zum Glück war kurz danach Gelegenheit für den Erfolgstrainer auch an der Einstellung Feinjustierung vorzunehmen. Denn Auf und Einstellung passten nicht an diesem lauen Frühjahrsabend.

Gleich mit Wiederanpfiff wurde deutlich, Schuster musste die richtigen Worte gefunden haben. Von Minute zu Minute fanden die Lilien zurück zu ihren Stärken. Und da Ivana ohne Turban in die 2.Runde ging, erinnerte nichts mehr an den taumelnden SVD der ersten 45 Minuten.

Auch wenn die Gastgeber die Vorentscheidung suchten, spätestens nach der Hereinnahme von Jan Rosenthal verlagerte sich das Geschehen in die Nürnberger Hälfte. Der Weckruf zum Schlussspurt kam von DSE, als er in der 60.Minute im Mittelfeld für Aufregung und Rudelbildung sorgte. Grund war ein zugegeben überhartes Einsteigen gegen Pollack, mit gestrecktem Bein voraus. Zum Glücl traf er den Nürnberger nicht. Zurecht auch die Verwarnung, aber manchmal benötigt es einer solchen Aktion, um dem Gegner zu signalisieren, wir sind noch da und eure Härte können wir auch.
Nur vier Minuten später hatte Rosenthal die erste gute Chance, sein Schuss blieb aber in der vielbeinigen Abwehr hängen.   

Zählbares sprang dann in der 73.Minute raus. Romain Bregerie schlug einen Freistoß von kurz hinter der Mittellinie in Richtung DSE. Der Ball kam zu „Toni“ Sailer, der das Spielgerät an der Strafraumgrenze gekonnt unter Kontrolle brachte, sich drehte und einfach unhaltbar in die Maschen hämmerte. Was folgte war Jubel pur. Sailer war kaum zu halten, suchte dann die Nähe zu den Fans, um in Jubelpose die Lilie auf dem Trikot zu küssen. Es gibt wenige Spieler, bei denen ein solches Liebesbekenntnis glaubhaft ist. Wenn es einen gibt, dem man diese - eigentlich verpönte, weil überstrapazierte – emotionale Geste glaubt, dann ihm! Bei „Toni“ ist das keine hohle Floskel.

Die Schlussphase der Begegnung war geprägt von blau-weißer Dominanz. Auf dem Rasen und auf den Rängen. Die beste Gelegenheit allerdings unterband Schiri Stegemann, denn in der 83.Minute hätte es zwingend Elfmeter für die Heiner geben müssen. Bregerie war einfach umgerissen worden. Klarer geht’s nimmer. Sicherlich war das Spiel nicht leicht zu leiten, Stegemann war allerdings selten ein souveräner Spielleiter.

So wurde es also nix mit dem ersten Sieg der Vereinsgeschichte in Nürnberg. Aber mit dem Punkt lässt es sich dann doch gut leben. Der Punkt hält die Euphorie und den Aufstiegstraum am Leben. Wie sagte Schuster mal? „Man darf uns erst abschreiben, wenn wir unter der Dusche stehen!“ Diese Qualitäten waren es, die einen Punktgewinn sicherten. Damit ist auch die immerwährende Frage bei einem Unentschieden geklärt, ob man nun einen gewonnen oder zwei verschenkt hat.

Noch sechs Spieltage und vieles deutet auf eine ganz heiße Zielgerade hin...

 

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