Mittwoch, 31 Januar 2018

Polnische Sternstunde, tschechische Eintagestorfliege und ein versteckter Dorscht

Geschrieben von: James Cagney, Kategorie: SV98 Aktuell, SV98 Historisch, Tags 2_Bundesliga Heimspiel MSV Duisburg Saison 2017-2018 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 823

#D98MSV

Polnische Sternstunde, tschechische Eintagestorfliege und ein versteckter Dorscht

Um Zebras in freier Natur zu erleben, muss ein südhessischer Daktari schon lange nicht mehr teure Safaris auf den Savannen des schwarzen Kontinents buchen. Seit 1978 beobachtet der tierliebende Heiner das gestreifte Steppenpferd ab und an auch jenseits von Afrika – entweder auf einer Schauinsland-Reise gen Duisburg oder am Bölle.

Am kommenden Sonntag bittet der SV Darmstadt 98 das fußballerische Aushängeschild aus der neben dem MSV vom größten europäischen Binnenhafen, der Eisenindustrie und früher vom exzentrischen Gesetzeshütertrio Schimanski/Thanner/Hänschen geprägten fünftgrößten NRW-Stadt zum 23. blau-weißen Tanz. MSV steht als Vermächtnis des eigentlichen Lokalursprungs für Meidericher Spielverein (Stadtteil von Duisburg). Mit dieser Bezeichnung trabten die Zebras bis zur Umbenennung 1967 durch die Republik. Anscheinend so ordentlich, dass sie vier Jahre zuvor bei der Bundesligabildung den Vorzug gegenüber der Konkurrenz erhielten und die eigentlichen Nominierungsfavoriten Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiß Essen oder Gladbach nur noch die zweite Geige in der Regionalliga West spielen durften.

Gleich im Gründungsjahr des neuen Oberhauses feierte der MSV eine sensationelle Vizemeisterschaft und musste sich lediglich seinem rheinischen Vierbeinerkollegen vom Kölner Geißbock beugen. Die Väter des bis heute größten Highlights waren Trainerglobetrotter (Riegel)-Rudi Gutendorf und 1954-Boss Helmut Rahn, der eine Dekade  nach seinem im Berner Wankdorf nicht ganz unbedeutenden Hintergrundschuss die Karriere bei den Meiderichern ausklingen ließ.

Als der 98er-Sportverein 1978 erstmals die Beletage mit seiner Präsenz beglückte, drosch der MSV immer noch ununterbrochen gegen den Erstligaball. Und so kam es am 14. Oktober zur Welturaufführung zweier blau-weißer Kultvertreter. Das Match im alten und 2003 für eine moderne Arena dem Erdboden gleichgemachten Wedaustadion fungierte nach dem Bundesligapremierensieg (3:2 gegen die Biene Maja vom Borsigplatz) und vor dem Gastspiel der Schalker Knappen als Mittelteil einer faszinierenden Ruhrgebiet-Debüttrilogie. Gleich bei der allerersten Kontaktaufnahme zwischen galoppierenden Zebras und blühenden Lilien entwickelte sich ein Hitchcockthriller, der an Spannung und Dramaturgie kaum zu toppen war.

Schon in der Eröffnungsminute brachte Willi Weiß die mit dem Dampfross nach Duisburg gepilgerten Heiner mit einem Quickie in Wallung und erzielte das schnellste 98er-Tor der Bundesligahistorie. Die Hausherren beantworten den Blitzschock in Person von Manfred Dubski zwar mit dem Ausgleich, aber das finale Wort der ersten Hälfte gebührte Jockel Weber, der unmittelbar vor der Pause den Sportverein erneut nach vorne bugsierte. Dass Halbzeitführungen nicht automatisch eine Auswärtsbeute beinhalten, wussten allerdings alle Darmstädter Bierstandszene-Fans, die sich während der Unterbrechung auf südhessische Art und Weise im Pott anmeldeten. Die bitteren Erinnerungen der Bundesligaeinstiegstourneen in Köln, Braunschweig und Nürnberg (jeweils Niederlage trotz Vorsprung) begleiteten die „zärtlichen“ Tuchfühlungsambitionen.

Und auch in Duisburg nahm das fast schon gewohnte Negativszenario zunächst seinen Lauf. Angetrieben vom auf den Nickname „Enatz“ hörenden Captain der deutschen Nationalmannschaft, wegen dem die Meidericher in jener Epoche zeitweise als „MSV Dietzburg“ tituliert wurden, steigerten sich die Zebras und drehten zu Beginn des zweiten Durchgangs innerhalb von sieben Minuten (!) den Score von 1:2 auf 4:2. Doch Coach Lothar Buchmann hatte noch ein Ass im Ärmel und schickte Uwe Hahn in die vorderste Front. Dort demonstrierte der Mittelfeldrenner ungeahnte Offensivqualitäten und schnürte einen Doppelpack zum hochverdienten 4:4-Endstand – quasi als gelungene Generalprobe für seine legendäre Bogenlampenvolleyeinnetzung vier Wochen später gegen den verdutzten Maier Sepp unter dem vernebelten Plexiglasdach des bajuwarischen Olympiastadions.

Das wegen der Torflut ungewöhnliche Remisresultat (in den drei folgenden Saisons bestätigten die Lilien dann bei ihren Trips an den Bornheimer Hang, zu den Kasseler Löwen und ins Bremer Weserstadion, dass sie die Kunst eines 4:4-Unentschieden in verblüffender Konstanz beherrschen) perfektionierte am Niederrhein das auswärtige Debüterfolgserlebnis des SV98 im Oberhaus. Doch schon beim Rückkampf, also der MSV-Ouvertüre am Bölle, war klar, dass die sogenannten Feierabendprofis auf ihrer Klassenerhaltsjagd mit ihrem Latein am Ende waren. Das Abstiegsgespenst hatte einen festen Wohnsitz an der Nieder-Ramstädter Straße. Dennoch fertigte der Sportverein das auf der ganzen Linie enttäuschende Ensemble von Dietz & Co relativ mühelos 2:0 ab. „Mein Gott Walter“ Bechtold zauberte in der 50. Minute mal wieder einen herrlichen Freistoß in die Maschen und in der Schlussphase vollendete Manni Drexler einen Alleingang.

Die Partie erhielt sicherlich keine Aufenthaltsberechtigung in der Hall of Fame, ist aber dennoch in den Annalen verewigt. Und zwar als letzter Übungsleitereinsatz des einstigen „Königs der Lilien“. Drei Tage nach dem Heimsieg verkündete Lothar Buchmann seinen Abflug zum Rundenkehraus und unterzeichnete trotz Bindungspflicht in Darmstadt bis 1980 einen doppelt so hoch dotierten Kontrakt für die kommende Spielzeit bei den ausnahmsweise nicht so knauserigen Schwaben vom Stuttgarter Verein für Bewegungsspiele. Die verantwortlichen 98er-Gremien reagierten prompt auf den Vertragsbruch und beurlaubten den Aufstiegscoach mit sofortiger Wirkung. Klaus Schlappner übernahm interimsmäßig und startete mit einem 2:4 auf Schalke. Den Abstieg konnte der Pepita-Hut nicht mehr verhindern. Dagegen vermied der MSV mit Ach und Krach eine Rückstufung ins zweite Glied und verlängerte zum x-ten Mal sein Bundesliga-Abo.

Nach dem 98er-Wiederaufstieg 1981 versammelten sich die beiden neuen Rivalen wieder in kuscheliger Zweisamkeit auf dem obersten Level und verabredeten am 15. Spieltag ein Bölle-Meeting, um einen Kellerkracher par excellence auszufechten. Der Sportverein empfing als Tabellenschlusslicht den Ranglistenvorletzten aus Duisburg. Nur 9000 Zuschauer wollten dem „Krisengipfel“ beiwohnen und registrierten, dass Coach Werner Olk mit Wolfgang Trapp auf einen wenige Tage zuvor aus dem Mainadlerhorst befreiten Neuzugang einen Startformationsposten anvertraute. Entscheidend war aber die Taktik, die Olk seinen Schützlingen vorgab: Kontern im eigenen Stadion.

Eine frühe Bude von Knipsergott Peter Cestonaro befeuerte diese Marschroute. Der Torschütze agierte im Sturmzentrum zusammen mit Bodo „Ballermann“ Mattern als Unruhepol-Duett und dahinter machte das geballte Defensivzentrum die Schotten dicht. Zudem konnten sich die Abwehrspieler auf Keeper Frank Berlepp verlassen, der trotz eines lädierten Fingers alle Fehler seiner Vorderleute ausbügelte. Mitte der zweiten Halbzeit stach das Angreiferduo erneut. Mattern und Cestonaro stellten auf 3:0 und ließen die Zebras dumm aus der Wäsche gucken. Der Gast zeigte zwar Moral und verkürzte in den Schlusssekunden gleich zweifach, doch für ein Ruhrpotthappyend war die Messe längst gelesen.

So endete das wichtige Kräftemessen „Dugena vs. Doppeldusch“ (Trikotwerbung hier und da) 3:2 für die Uhrenpropagandisten und der MSV-Busfahrer musste für die Rückfahrt neben dem Grubenhelm auch noch die rote Laterne verstauen, die bis zum Saisonende in Duisburger Besitz blieb. Am drittletzten Spieltag hätten die Zebras vor eigenem Publikum das lästige Utensil den Lilien zurücküberreichen können. Beide Fraktionen mussten im Wedaustadion gewinnen, um die finale Klassenerhaltschance zu wahren. Der Verlierer war definitiv weg vom Bundesligafenster.

Von den Erfahrungswerten früh eingelochter Tore gegen die Meidericher profitierte der SV98 erneut am Niederrhein. Diesmal zeigte die Uhr achtzig Sekunden an, als Guido (Darm)Stetter einen Steilpass von Uwe Hahn erlief, an Liberolegende Bernhard Dietz vorbei spurtete und Goalie Gerhard Heinze überwand, worauf die letzten 4000 treuen MSV-Seelen in ein Resignationsloch stürzten. Zudem verflachte das Niveau peu á peu, weil Serengeti-Temperaturen den Pott in eine große Sauna verwandelten. Nach einer guten Stunde staubte Helmut Vorreiter zum 2:0 ab und reglementierte nicht nur den ersten saisonalen Auswärtssieg, sondern legte nach neunzehn Jahren Nonstopmitgliedschaft auch das Duisburger Bundesligakapitel zu den Akten.

Zwei Wochen später präsentierten der SVD eine ungewollte Solidarität. Ein 3:3 gegen den VfB Stuttgart und ein 1:6 am Gladbacher Bökelberg stempelten den Sportverein zum zweiten Direktabsteiger und so schwammen Lilien & Zebras ab der Saison 82/83 gemeinsam im Zweitligahaifischbecken. In der Erstklassigkeit operierten die beiden Opponenten nie mehr zusammen. Dennoch verzeichnet der SV98 gegen die Meidericher seine bis heute beste Bundesligabilanz: Unbezwungen und (umgerechnet auf die Dreipunkteregel) zehn eingetütete Zähler. Chapeau, MSV!!

Auch in den ersten drei Begegnungen auf der zweiten Ebene zementierten die Heiner ihren ungeschlagenen Lauf gegen en MSV, der erstmals ohne seinen jetzt am Schalker Markt malochenden Leitwolf „Enatz“ Dietz auskommen musste. Im Oktober 1982 begutachteten die Wedaustadion-Kiebitze einen ähnlichen Krimi wie 1978. Statt 4:4 mündete der Schlagabtausch diesmal in einem 3:3, weil Manfred Dubski sechzig Sekunden vor ultimo Torsteher Dieter Rudolf düpierte und die zweimalige 98er-Führung (2:0 Mattern und Trapp sowie 3:2 nach einem Eigentor von Kees Bregmann) konterkarierte.

Beim Rückkampf schlug die große Stunde des Helmut Vorreiter. Ein Drittel seiner in drei 98er-Jahren zwölf eingeschweißten Treffer vollstreckte der leider viel zu früh verstorbene polnische Oberschlesier gegen den MSV und ist damit heuer noch Darmstädter Zebrajäger Nummer eins. An jenem lauen Märzabend 1983 trumpfte Vorreiter wie nie zuvor und danach auf. Zum 6:2-Scheibenschießen steuerte der Stürmer neben drei Toren auch die Zulieferdienste für die Abschlüsse von Wolfgang Schüler und Uwe Hahn bei. Nur beim zwischenzeitlichen 5:2 Bodo Matterns verweigerte Vorreiter eine aktive Beteiligung.

Am Saisonende hatten sowohl SVD als auch MSV den direkten Wiederaufstieg klar verpasst und so wurde der blau-weiße Vergleich ein kleiner Zweitligadauerbrenner. In der Runde 83/84 mischten die wieder erstarkten Duisburg tabellarisch ganz oben mit, während der Sportverein im Mittelmaß feststeckte. Deshalb war die torlose Nulldiät zum Ausklang der ersten Halbserie im Wedaustadion als nicht unbedingt einkalkuliertes Zubrot für die Lilien einzuordnen, weshalb Trainer Timo Zahnleiter seinen Spielern einen um vier Tage verlängerten Weihnachtsurlaub bescherte.

Fünf Monate später am abschließenden Spieltag legten die Zebras Einspruch ein und stoppten im zehnten internen Wettstreit ihren sieglosen Prozess gegen die Lilien. Das Meidericher Team musste am Bölle unbedingt den Sportverein niederringen, um die Relegationspositionierung vor Hessen Kassel zu behaupten, während der Gastgeber lediglich noch massenhaft Goldene Ananas vertilgte. Mit Hilfe eines verwandelten Freistoßes von Roland Wohlfarth (Abschiedsgeschenk des Mittelstürmers vor seinem Umzug an den bayrischen Weißwurstäquator) sowie einem abgefälschten Schuss von Udo Lay protokollierte der MSV bereits nach sechzehn Minuten das letztlich auf dem Spielberichtsbogen eingravierte 2:0 und verspritzte nach Erfüllung des Etappenziels die obligatorischen Sektduschen auf dem heiligen Grün an der Nieder-Ramstädter Straße. Warum die Zebras in den beiden anschließenden K.O.-Spielen gegen die gefiederten Namensvetter des Hunnenkönigs unerklärlicherweise bockten und den Schwanz einklemmten, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben.

84/85 schaute der Sportverein gleich zweimal in die Röhre (jeweils 1:3) und quittierte ergo auch seine Erstlingsklatsche im Wedaustadion. Dennoch senkte sich der sportliche und finanzielle Daumen am Niederrhein langsam nach unten, was 85/86 in einem eklatanten Duisburger Personaladerlass und deshalb in einem Katastrophenjahr zur Geltung kam.  Die Zebras lahmten und  waren von einer Wettbewerbsfähigkeit so weit entfernt wie Hammerfest von Kapstadt. Schon am Bölle bekamen sie gehörig die Ohren langgezogen (4:0, Tore Bruno Labbadia, Bernhard Trares, Oliver Posniak und Volker Kispert). Doch das entpuppte sich nur als müdes Vorgeplänkel zur saisonalen Zweitausgabe im westlichen Ruhrgebiet, als handgezählte 709 Zuschauer frustriert akzeptierten, dass sogar Zebras den Schwanengesang trällern.

Nach 35 Minuten hatten Kispert, Labbadia, Rafa Sanchez und Uwe Kuhl ein 4:0 herausgeballert. Nur der Gnade des SV98 (mangelnde Chancenverwertung und sinkende Abwehrkonzentration) verdankte es der MSV, dass nur noch Trares, Labbadia und Stefan Lottermann das Runde ins Eckige katapultierten und sich die Heiner mit einem 7:2 begnügten. Logisch, dass Duisburg wenige Wochen später erstmals dem Profifußball adieu sagte und in die Amateuroberliga abtrudelte. Ein sportliches Schicksal, das die Lilien sieben Jahre später ebenfalls heimsuchte.

Öde achtzehn Monate dauerten die Irrfahrten über die Äcker von Langenfeld, Lindlar oder Wermelskirchen (immerhin gab es mal wieder Derbys gegen Hamborn 07 zu bestaunen), ehe sich das Zebra in einen mythischen Vogel transformierte und wie der Aschenphönix aus der niederrheinischen Inkognito-Landschaft zurück in die Zweitligasphären flog. Und das überaus preisgekrönt, obwohl es am 2. September 1989 eine 1:3-Niederlage am Bölle hagelte. Dabei ebnete ein gerade zwei Tage zuvor von Dukla Prag losgeeister Nationalspieler den Weg.

Mit der Empfehlung von zwölf Auswahlpartien für die drei Jahre später in Tschechien und Slowakei gespaltene CSSR lebte Tomas Kriz die guten südhessisch-böhmischen Beziehungen von Zdenek Nehoda und Ludek Macela fort und netzte beim Debüt praktisch als One-Hit-Wonder zum 1:0 ein. Das 1:1 (Uwe Kober) erwiderten die Lilien mit den entscheidenden Buden von Dietmar Feucht und Michael Blättel. Kriz traf danach nie mehr ins Schwarze und der SV98 pirschte nach dem 3:1 auf eine lange Durststrecke gegen den MSV. Von jenem Erfolg im deutschen Wiedervereinigungsjahr bis 2013 (!) gelang von zwei mickrigen Unentschieden abgesehen keine Zähmung der Zebras mehr…

Das hatte zwei Ursachen: Wegen der Duisburger Renaissance, die ab und an sogar mal wieder ein Bundesligastippvisite zur Folge hatte und natürlich hauptsächlich aufgrund der „dunklen“ Darmstädter Epoche zwischen 1993 und 2011, als der Sportverein die Reservatsgrenzen der Regionalliga Süd bzw. Hessenliga nicht überschreiten durfte. Bekanntlich stoppte „Gürtelschnalle“ Kosta Runjaic mit dem Drittligaaufstieg die sportliche Heinerlethargie. Als Dirk Schuster dann ab Januar 2013 das Zepter schwang und ein halbes Jahr darauf der von einer Bieberer Anhöhe stammende Lieblingsfeind den Offenbacher machte, war die Spur frei für ein Comeback SVD contra MSV, zumal die Zebras wirtschaftlich mit dem OFC auf einer Wellenlänge surften und den Zweitligahahn abgedreht bekamen (ebenfalls Lizenzverweigerung).

Was dann am 14. September 2013 zur Lilienpremiere in der Schauinsland-Reisen-Arena (Nachfolgestätte auf dem gleichen Areal des abgerissenen Wedaustadions) über die Bühne ging, kann getrost als Geburtsstunde des neuen SV98 apostrophiert werden. Vor allem die Lufthoheit war frappierend. Die ersten drei Tore entsprangen Kopfbällen von „Toni“ Sailer, Dominik Stroh-Engel und Aytac Sulu. Nur das vierte Knallbonbon wurde mit dem Fuß abgesendet (Marcel Heller). Das imponierende 4:0 initiierte einen ungeahnten Aufschwung auf Wolke Sieben, die beim Rückfight im März 2014 fortan über dem Bölle schwebte.

Der vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelte Sportverein thronte inzwischen auf Relegationssprosse Drei, was die Fans vor dem zweiten Zebrasaisonkick zu einer sagenhaften Choreographie auf der Haupttribüne inspirierte. Der „versteckte Dorscht“ um das Datterich-Konterfei sorgte für Gänsehaut pur und peitschte die Mannschaft zur nächsten Gala. Doch das „Golden Goal“ wollte einfach nicht fallen. Aber in den Schlusssequenzen illustrierte der SV98 dann mit aller Entschlossenheit, dass nichts anderes als ein Lucky Punch – Showdown im Drehbuch stand.

Als Marcel Ratajczak den wieselflinken Marcel Heller zu einem unfreiwilligen Salto Mortale nötigte, hielt Fifa-Schiedsrichter Wolfgang Stark dem MSV-Keeper die rote Karte unter die Nase. Da die Zebras schon dreimal gewechselt hatten, musste Feldspieler Nikolas Ledgerwood zwischen die Pfosten. Nuancen später wurde Heller im Sechzehner gefällt. Zwei Minuten dauerte es bis zum Bestrafungsvollzug, aber der Mann mit dem eingebauten Torinstinkt zeigte keine Nerven. Angespornt durch ein „Stroh-Engel – Stakkato“ verlud DSE den Aushilfstorwart und schob den Ball eiskalt in die rechte Ecke.

Das 1:0 war ein weiterer Meilenstein zum nahenden Wunder von der Alm, das die Lilien zunächst in Liga Zwei und 2015 auf den Durchmarsch-Olymp manövrierte, während der MSV die umgekehrte Fährte wählte und sich 2016 wieder in der Dritten Liga tummelte. Nach dem Aufstieg hier und dem Abstieg da sind die blau-weißen Kultvertreter seit dieser Saison wieder in der Zweitklassigkeit fusioniert, was die Zebras im Hinspiel mit der dritten Demütigung en block gegen die Heiner teuer bezahlten. Selbstredend ist der späte Siegtreffer des eingewechselten Yannick Stark noch unauslöschlich im Gedächtnis gespeichert.

Inzwischen sind die Meidericher in der Rangliste weitaus profitabler notiert (Fünfter) und vor allem auswärts für ihre Duftmarkenversprühungen gefürchtet. Doch bange machen gilt nicht rund um die südhessische Residenzstadt. Das 1:0 auf St. Pauli hat die Lebensgeister wieder erweckt. Dirk Schuster is back in Town und wird alles dafür arrangieren, dass nach der Erlösung auf dem Kiez auch der erste Heimsieg seiner zweiten Amtsperiode die Segelregatta  in den gesicherten Hafen forciert.
In diesem Sinne
BWG    

 

 

 

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Einige behaupten, er könne alle Tore des SV98, deren Schützen und die korrekte Spielminute in historischer Reihenfolge aufsagen, ohne einmal Luft zu holen...

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