Samstag, 11 August 2018

Mit leeren Händen auf dem Kiez

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags 2_Bundesliga Auswärtsspiel FC StPauli Saison 2018-2019 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 385

#FCSPD98

Mit leeren Händen auf dem Kiez

Die weiße Hamburg-Weste des SV98, die in den letzten Jahren makellos strahlte, weist seit Freitagabend einige Flecken auf. Unter dem Strich steht eine verdiente 0:2 Niederlage beim FC St. Pauli zu Buche, bei der beileibe nicht alles schlecht war, die man aber auch nicht schönreden kann. Zu offensichtlich deckten die Kiezkicker die Unzulänglichkeiten auf, die die Lilien an diesem Abend dem Gegner anboten.

Dirk Schuster, der eigentlich dafür bekannt ist, während einer Nachspiel-PK scharfe Analysen auch mal freundlich lächelnd unters Volk zu bringen, überraschte mit seiner Einschätzung. Er stellte sich vor sein Team und betonte die aus seiner Sicht positiven Aspekte. Dafür wird er seine Gründe haben.

Aber es dürfte ihm nicht entgangen sein, dass St. Pauli zwar ein guter Gegner war, aber eben nicht übermächtig. Bezeichnend für das Spiel ist, dass beide Treffer der Hausherren durch freundliche Mithilfe der Lilien zumindest begünstigt wurden. Beim 1:0 durfte Möller Daehli ungehindert einen Mitspieler suchen, der sich allein gelassen im Fünfer tummelte (52. Neudecker). Und beim entscheidenden 2:0 (85. Buchtmann) trabte Medojevic neben Neudecker her, ohne ihn an der Vorlage zu hindern. Vermutlich war Medojevic bemüht, ein Foul, das gelb nach sich gezogen hätte, zu vermeiden. Wenige Minuten vorher hatte er schon den Karton während einer Rudelbildung gesehen.

Die Niederlage aber nur an den beiden individuellen Fehlern festzumachen, wäre zu einfach. Die Lilien hatten über die Spielzeit gesehen zu wenig Zugriff aufs Spiel und liefen zumeist hinterher, außer in einer starken Phase, Mitte der ersten Halbzeit. In dieser starken Phase notieren die Chronisten auch die besten Chancen des Sportvereins. Sulu zwang Paulis Himmelmann per Kopfball zu einer Glanzparade (28.) und Dursun fand in der 35. Minute ebenfalls seinen Meister im Hamburger Goalie. Wer weiß, welchen Verlauf das Spiel genommen hätte, wäre einer der beiden Bälle im Netz gelandet.

Aus diesen beiden Szenen schöpfte die Lilienfans für den zweiten Durchgang Hoffnung, denn sie waren Beleg für ein Comeback in der ersten Halbzeit, die St. Pauli fulminant und mit gehörigem Druck begonnen hatte. Aber nachlegen konnte nur ein Team, die gastgebenden Kiezkicker. Die Heinerauswahl hingegen verlor mit zunehmender Spieldauer fast jegliche offensive Spielidee. Selbst in der Paradedisziplin, der Defensive, schlichen sich Fehler und ungewohnte Fehler ein. Übrigens bewies in Aytac Sulu in dieser Phase mal wieder großes Kämpferherz. Ohne ihn, ohne seine ordnenden Kommandos hätte es auch durchaus bitterer werden können.

Wenn wir schon bei der Einzelkritik sind, vertiefen sollte man die nicht, kaum einer der Blau-Weißen vermochte zu überzeugen, einige blieben an diesem Sommerabend weit unter ihren Möglichkeiten (stellvertretend sei Jones genannt), oder wirkten wie Tobi Kempe müde.
Rückkehrer Marcel Heller wird wohl noch einige Spielminuten benötigen, um seine Qualitäten gewinnbringend einbringen zu können. Gemeinsam ist allen Akteuren des SV98, dass sie in Halbzeit 2 abbauten und merkwürdigerweise weniger fit wirkten als vor Wochenfrist bei tropischen Temperaturen.
Möglichkeiten, aber keine zwingenden Chancen, können Dirks Eleven in der 2.Halbzeit gutgeschrieben werden. Wenn so etwas wie eine Torannäherung zu verzeichnen war, fehlte die nötige Kreativität. Wie überhaupt an diesem Abend Schusters Spielidee, mit schnellen Außen den Gegner in Verlegenheit zu bringen, schlicht und einfach nicht fruchtete, weil St. Pauli den Gameplan der Lilien wohl schon frühzeitig durchschaut hatte und weil die Flügelflitzer sich nicht auf der Höhe ihrer persönlichen Schaffenskraft präsentierten.

Ja, solche Spiele gibt es und es wird sie immer wieder geben, das eigene Team bleibt unter den Möglichkeiten und der Gegner ist bis unter die Haarspitzen motiviert. Gibt es eine einfache Erklärung? Wohl eher nicht. Einer der möglichen Ansätze dürfte sein, dass Schusters Plan nicht aufging, was dem Team die nötige Sicherheit nahm. Über Plan B brauchen wir nicht reden… Ein weiterer dürfte sein, dass das Gesamtkunstwerk SV98 noch unvollendet ist. Trotz der frühzeitig gestarteten Vorbereitung sind noch nicht alle Baustellen geschlossen und noch sind nicht alle Kaderplätze vergeben.

Wenn etwas wirklich positiv aus diesem Spiel mitgenommen werden kann, dann die Erkenntnis, dass Schuster genügend Ansatzpunkte hat, um in den nächsten Tagen ein gezieltes Training anzusetzen...

 

 

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