Sonntag, 03 April 2016

Lastminutefluch

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Bundesliga Heimspiel Saison 2015-2016 SV Darmstadt 98 VfB Stuttgart, Aufrufe: 1644

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Lastminutefluch

Fußball wird auf dem geheiligten Grün gespielt und in der ca. 1.300 Gramm schweren, grauen Masse, die der Homo Sapiens in seinem Schädel aufbewahrt. In den Tiefen jener Masse vermutet die Wissenschaft die Heimat des Unterbewusstseins, welches bei Fußballern gegen Ende einer Saison ein merkwürdiges Eigenleben entwickelt. Nicht umsonst betonen Fußballlehrer, wie wichtig die mentale Einstellung ist, um im Kampf um den Klassenerhalt zu bestehen. Vermutlich deswegen resümierte Dirk Schuster öffentlich ein positives Fazit.

Dabei hätte es ihm niemand ernsthaft verdenken können, hätte er mit dem Spielglück gehadert. Aber einer wie Schuster hat es im Laufe seiner Karriere gelernt Ärger runter zu schlucken und sich auf die nächste Gelegenheit zu punkten zu konzentrieren. Er sucht direkt nach dem Spiel keine Schuldigen. Weder prangert er den schwachen Schiedsrichter Zwayer an, noch kritisiert er seine Kicker. Exhibitionistisches Wehklagen ist nicht sein Ding. Vielmehr will er in die graue Masse aller den Gedanken implementieren:“Schaut her, wir haben Spaß, wir freuen uns über jeden Punkt und wir sind gut!“

So hebt er auch die „Moral“ hervor, die sein Team an den Tag legte, als es nach der Pause zurückkam und den Ausgleich erzielte. Er verschwendet dabei nach außen scheinbar keinen Gedanken zu dem Fakt, dass dieses Mal die späten Minuten der 1.Halbzeit Punkte kosteten. Der Gast aus Stuttgart hatte binnen 147 Sekunden mit zwei Distanzschüssen die Führung der Lilien pulverisiert (45.Gentner, 45.+3 Rupp). Schuster verschwendete auch keinerlei Worte zu dem nächsten Fakt, dass sein Team nach Niemeyers Ausgleich (52.) zwar das Spiel beherrschte, aber den Siegtreffer nicht setzen konnten.

Vielleicht vermied er dies, weil er an dieser Stelle hätte hadern müssen. Ganz sicherlich Hadern mit Pech und vielleicht Hadern über Unvermögen. Unter welche Kategorie Peter Niemeyers Versemmeln der Großchance in der 1.Spielminute zählt, wird also sein Geheimnis bleiben. Aber Niemeyer hätte zum Held des Tages werden können, Neben seinem wichtigen Treffer und der erwähnten frühen Chance war er auch an der Schlussaktion beteiligt, als die Heiner gleich zweimal am Aluminium scheiterten. Auch hier wissen wir nicht, wie Schuster die Situation bewertet. Wahrscheinlich würde er aber versuchen in den Synapsen der Fußballwelt zu verankern:“Wichtig ist, dass wir in der Lage sind solche Chancen zu kreieren.“

Der Führungstreffer der Lilien war aber nicht einer eigenen brillanten Aktion entsprungen. Sondern vielmehr einem Blackout des Schwabenpfeils Serey Dié. Jener spielte in der 26,Minute einen katastrophalen, viel zu kurzen Rückpass aus dem Mittelfeld in Richtung eigenem Goalie. Genau für solche Momente hat Schuster Sandro Wagner verpflichtet. Handlungsschnell und selbstsicher zog er allen Gegenspieern davon und lies Tyton im Stuttgarter Tor keinerlei Chance. Wieder war Sandro Wagner erfolgreich, der sich unter Schusters Führung zu einem Klassespieler entwickelt hat. Wagner ist das lebende Beispiel, dass Schusters Injektionen in die graue Masse tatsächlich etwas bewirken können. Gegen die Schwaben war Wagner nicht nur Torschütze, sondern auch noch bester Akteur im Dress mit der Lilie.

Dass aber auch der Vordenker der Lilien nicht frei von Fehlern zu sein scheint, machten nicht wenige am Coaching dieser Partie fest. Konkret schüttelte die Mehrheit der Augenzeugen den Kopf ob der eigentümlich anmutenden Wechselei. Warum nutzte das Trainerteam nicht die ab der 70.Minute schwindenden Kräfte des VfB für sich? Warum wurde dem Einzelkämpfer Wagner nicht nicht mit Tobias Kempe oder Felix Platte ein weiterer Offensiver zur Seite gestellt? Warum wurde dann in der 90.+1 Minute erst gewechselt und so die Hälfte der Nachspielzeit den Stuttgartern geschenkt?

Sicherlich alles berechtigte Fragen, über die der Vater des Erfolgs im stillen Kämmerlein nachdenken wird. Er wäre nicht so erfolgreich mit den Lilien, wäre er nicht in der Lage, seine Gedanken zu relativieren und gegebenenfalls zu korrigieren.

Für die verbleibende sechs Spiele tun alle, die es mit den Lilien halten, gut daran, sich die graue Masse vom schusterschen Denken infizieren zu lassen. Eine gewisse Lockerheit im Umgang mit der Situation, verbunden mit einer Portion Selbstbewusstsein kann den Unterschied ausmachen. Der Kampf um den Klassenerhalt ist halt nix für Weicheier...

 

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