Mittwoch, 23 März 2016

Jede verdammte Nachspielzeit

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Auswärtsspiel Bundesliga Saison 2015-2016 SV Darmstadt 98 VfL Wolfsburg, Aufrufe: 1709

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Jede verdammte Nachspielzeit

Ist das der Preis für Bielefeld? Will das Schicksal den Lilien wieder und wieder aufzeigen, wie scheiße sich ein Lastminute Gegentreffer anfühlt? Esoteriker würden diesen Erklärungsansatz wählen. Verschwörungstheoretiker pflegen eher einen anderen Gedanken. „Die wollen uns nicht haben“, deswegen strafen die DFB Entsandten die Heiner mit übermäßiger Nachspielzeit. Fatalisten werden das Lied des Aufsteigers anstimmen, der bis zum letzten Spieltag Lehrgeld zahlt. Fakt ist: Sollte das Unternehmen Klassenerhalt nicht klappen wird man rund ums Bölle hauptsächlich mit den Extraminuten hadern, die in der Endabrechnung zwischen 4 und 5 % der Spielzeit einer Saison ausmachen.

So war auch in Wolfsburg die 93.Minute eine, die zwei Punkte kostete. VW-Mitarbeiter Schürrle hatte überraschend viel Entfaltungsraum, narrte Niemeyer mit einer noch nicht einmal sonderlich einfallsreichen Körpertäuschung. In den Genuss des daraus ergebenden Freiraums, dürfte der Nationalspieler selbst im Training kaum kommen. Er nutzte ihn mit einem Fernschuss, der platziert im entfernten Eck einschlug. Christian Mathenia war chancenlos, die Lilien erneut um zwei Punkte gebracht. Und es war ein vergleichsweise billiger Treffer, der die Lilien teuer zu stehen kam. In Ermangelung an Ideen versenkte der Wolfsburger in einer Verzweiflungstat den Ball im Tor, getreu dem Motto, wenn du nicht weißt wohin mit dem Ball, schieß ihn ins Tor.

Billig war der Treffer weil in dieser Szene die Gegenwehr überschaubar war. Wie erwähnt fiel Niemeyer auf eine einfache Körpertäuschung rein, entscheidend aber war, dass sich kein blau-weißer Kicker sich für die Absicherung des sich ergebenden Raums zuständig fühlte. Eine kleine Konzentrationsschwäche im ansonsten sicheren Bollwerk, die sicherlich Tribut für physisch aufwändige Spielweise ist. Irgendwann, mit steigender Belastung, sinkt das Energielevel. Fehler passieren. Deswegen vermuten einige absichtliches System hinter der Praxis der Schiedsrichter stets 3, 4 oder 5 gar Minuten anzuhängen. Ist dem wirklich so?

Wohl eher nicht, denn es ist Usus, diese Zeit am Ende draufzupacken. Beide Teams tragen innerhalb der regulären Spielzeit dazu bei, dass 4 Minuten in den meisten Fällen gerechtfertigt sind. Und wer weiß schon im Voraus, wem Fortuna in der Nachspielzeit gewogen ist? Eine Benachteiligung der Spielleiter sollte also ausgeschlossen werden. Zumal man aus Liliensicht zugestehen muss, dass das eigene Team in der regulären Spielzeit einen großzügigen Umgang mit Unterbrechungen pflegt, so dass auch längere Extrazeit so manches Mal gerechtfertigt wäre.

Vielmehr sollte man rund ums Bölle ergründen, warum die späten Treffer das Unternehmen Klassenerhalt derzeit so nachhaltig ins Wanken bringen. Warum ist das Team nicht in der Lage, einen Vorsprung ins Finish zu bringen. Die Älteren unter uns fühlen sich fast ständig an den Kick in Bochum letzte Saison erinnert. Das war eines der ersten Spiele, in denen der Ertrag last minute verspielt wurde. Von Dirk Schusters Spruch, man solle die Lilien erst anschreiben, wenn sie unter der Dusche stehen, ist momentan zumindest wenig zu sehen. Vielmehr gestalten sich die letzten Minuten fast so, als würde eine kollektive Phobie das Handeln zum erlahmen bringen. Insgesamt 6 Punkte gingen alleine in 2016 auf diese Art verloren. 6 Punkte, die schon fast die Klasse gesichert hätten.
 
Jetzt soll keiner sagen, dass Wolfsburg an diesem Samstag ein Übergegner war. Sicherlich haben sie den ein oder anderen hochbegabten Kicker in ihren Reihen. Aber mit dem Vizemeister der Vorsaison und der Formation, die in der CL gegen Real auflaufen wird, hatte dieser B-Kader wenig zu tun. Der Mechanismus, den Gegner groß zu reden, wird auch den Lilien des Jahrgangs 2016 nicht mehr gerecht. Das ist eine etablierte Bundesligamannschaft, die Schuster aufs Feld schickt. Beleg dafür ist der Respekt der Gegner und die eigene Leistung, die Woche für Woche erbracht wird. So waren es die Heiner, die das spielerische Highlight des Spiels setzten, nicht das spielende Personal der Abgaswerteschönredner! Sandro Wagners Führungstor (82.) ging ein Tempogegenstoß voraus, der direkt aus Hennes Weisweilers Bedienungsanleitung der Fohlenelf der frühen Siebziger entstammen könnte. Jan Rosenthal setzte Marcel Heller blendend in Szene, der darauf unwiderstehlich in Richtung Wölfe Tor stürmte und mit einer Sahnevorlage Sandro Wagner bediente. Besser kannst du so einen Konter nicht spielen! Da stimmte alles, Handlungsschnelligkeit, Präzision, Wille, technische Möglichkeiten und last but not least Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

Eigentlich spielen Dirks Kicker zu stark, so tritt kein Absteiger auf. Aber es gibt diese paar Minuten, in denen scheinbar alle Tugenden plötzlich nicht mehr abrufbar sind. Zur Besserung ist verschiedenes gefragt. Zum einen das psychologische Geschick des Trainerteams, zum anderen mal wieder ein Erfolgserlebnis in Form eines (dreckigen) Sieges. Die nächste Gelegenheit dem ersehnten und wohl auch verdienten Saisonziel näher zu kommen ist das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, mit dem noch eine Rechnung offen ist. Im Hinspiel waren die Lilien, die an diesem Tag ein neues System praktizierten, das klar bessere Team. Trotzdem zeigte unsere Lieblingssportart seine hässliche Fratze, der SV98 verlor glatt mit 2:0. Selbst altgediente blau-weiße Schlachtenbummler wissen kaum von einer ungerechteren Niederlage zu berichten. Zeit, die Kräfteverhältnisse gerade zu rücken…

 

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