Montag, 22 Februar 2016

Halbe Sensation

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Auswärtsspiel Bundesliga FC Bayern München Saison 2015-2016 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 1254

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Halbe Sensation

Wenn es eine Parallele zur Erstligapremierensaison 78 gibt dann die, dass die Lilien in der Wertung der ersten Halbzeit ein Spitzenteam sind. Einen starken vierten Platz belegen die Heiner in dieser Wertung. Leider ist das aber nur die halbe Wahrheit. In der Wertung der zweiten Halbzeit steht der 17.Platz zu Buche. Zu dieser Statistik passt auch der Auftritt beim Rekordmeister. Erstmals in der laufenden Saison mussten die ansonsten übermächtigen Bayern einem Rückstand auf eigenem Platz hinterherlaufen.

Die Bayern dominierten zwar weitestgehend das Geschehen der 1.Halbzeit, konnten die Überlegenheit aber nicht in Zählbares umsetzen.Im Gegensatz zu den Lilien, die im Grunde ihrem Ruf, gnadenlos effektiv vor des Gegners Tor zu sein, mal wieder gerecht wurden. Das 0:1 durch Sandro Wagner (26.), nach toller Sirigu Flanke, war mal wieder eines dieser Tore, die die Frage der Sinnhaftigkeit von Spielstatistiken aufwerfen. Was nutzen die Zahlenspielereien, die vor allem von dem Bezahlsender als Mehrwert angepriesen werden? Welchen Wert hat es, wenn man erfährt, dass die Bayern über 70% Spielanteil im ersten Durchgang hatten? Denn faktisch zählt nur ein statistischer Wert, der der erzielten Tore. Und hier lagen die Lilien zur Halbzeit nicht unverdient vorne. Nicht unverdient, weil das vermeintliche B-Team sich leidenschaftlich den Millionenwerten entgegenstemmte. Respekt ja, aber keine ehrfürchtige Zurückhaltung war die Devise. Wobei das Team nie die Vorgabe Dirk Schusters vernachlässigte, man nutzte jede Gelegenheit, um Nadelstiche zu setzen, wie es Dirk Schuster gerne umschreibt. Man kann lange philosophieren, ob an diesem tristen Februarsamstag mehr drin war für Südhessens Stolz, als die Anerkennung ein guter Gegner gewesen zu sein. Man kann auch lange darüber philosophieren, dass Bayerns Rafinha nach Tätlichkeit gegen Sandro Wagner eigentlich vom Platz gehörte. Ob der Kick tatsächlich eine andere Wendung genommen hätte? Zumindest hätte der kleine Brasilianer in der 59. Minute nicht das 1:1 durch Thomas Müller auflegen können. Wer weiß, wie das Spiel weiter verlaufen wäre, hätte die Führung der blau-weißen länger Bestand gehabt. Aber im Gegensatz zum Heimspiel gegen Leverkusen kann man hier nicht davon reden, dass der Unparteiische dem Spiel eine Wendung gegeben hätte. Wahrscheinlich hätte ein andere Weltklassespieler den Equalizer aufgelegt. Zumal das Schirigespann dem SV98 zumindest in einer Szene gewogen war. Lewandowski bekam einen regulären Treffer aberkannt, weil der Vorlagengeber, Ribery, vermeintlich im Abseits stand. Nach ungefähr 35 Zeitlupen, auf 5 TV-Stationen ist sich die Fachwelt im Nachhinein einig, Fehlentscheidung – Ribery war von Fabian Holland in Szene gesetzt worden. Über zwei Gegentore muss noch berichtet werden. Wobei Müllers 2:1 nicht nur die Tür zur Siegerstraße für die Roten öffnete. Es war ein erfolgreicher Abschluss der Marke Weltklasse. Mit dem Müllers Ballannahme, mit dem Rücken zum Tor, der „Seitfallrückzieher“, mit Schuss über die eigene rechte Schulter unhaltbar ins Tor, das alles in unfassbarer Handlungsgeschwindigkeit verlangt einfach nur höchsten Respekt. Es gibt nicht viele Spieler auf diesem Planeten, die das so hinkriegen und bei denen es kein Zufallstreffer ist. Pep Guardiola veranlasste dieses Kabinettstück zu einem, für seine Verhältnisse, krachledernen Scherz:“Darmstadt besiegt man nur mit Traumtoren.“ Xabi Alonsos Tor aus der Pokalbegegnung noch im Kopf pflichtete die Darmstädter Delegation mit sauerer Mine bei. Noch ärgerlicher wäre es gewesen, wenn dieser Treffer die endgültige Entscheidung gewesen wäre. Aber es gibt im Ensemble der Roten noch einen gewissen Lewandowski, der seinen nicht gegebenen Treffer noch wett machen musste und auf Vorlage von Ribbery in der 79.Minute den Endstand herstellte. Ein typische Bayerntreffer, der so nicht fallen muss, aber mit diesem Schicksal haderte schon fast jedes Team der europäischen Spitze. So bleibt den Lilien die Gewissheit, dass die artigen Komplimente des Favoriten mehr als nur Lippenbekenntnisse sind. Das Team von Dirk Schuster hat auch den zweiten Anzug teuer zu Markte getragen und dabei etwas geschafft, was in dieser Saison noch keinem anderen Team in der Arroganz Arena gelungen ist, eine Halbzeitführung. Aber unter dem Strich bilanziert erneut ein Nuller. Sicher hat keiner, der bei gesundem Verstand ist, mit (einem) Punkt(en) aus dem Vergleich geliebäugelt. Aber der Kick hat gezeigt, dass es Tage gibt, an denen man die eigenen Ansprüche auch mal etwas hochqualitativer ansetzen darf. Das Spiel kippte nach dem 1:1, das durch einen Spieler vorbereitet wurde, der zu diesem Zeitpunkt schon frisch geduscht hätte sein müssen. Und vergessen wir nicht, dass Tobi Kempes Fehler, als er den Ball hätte ins Aus rollen lassen sollen oder ihn wahlweise auf die Tribüne hätte schießen müssen, dem Rekordmeister half. Wer weiß, wie die Nummer ausgeht, wenn es noch eine weitere Zeit 0:1 für den Gast steht. Die Konzentration muss nun dem Ausflug an die Weser gelten. Auch wenn Dirk Schuster so etwas nicht gerne hört, in Bremen steht ein „Sechspunktespiel“ an. Der Sieger kann sich etwas Luft im Kampf um den Klassenerhalt verschaffen, der Verlierer findet sich in einer misslichen Lage wieder. Werder wird versuchen, die Hinspielpleite zu egalisieren und alles für einen Dreier tun. Den Lilien reicht im Zweifel auch ein Punkt. Legt man allerdings die Leistung von München als Benchmark zu Grunde, darf man auch vom Ziel eines weiteren Auswärtssieges träumen.

  

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