Mittwoch, 23 September 2015

“Gelbe Karte fürs Präsidium”

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Gelbe Karte fürs Präsidium Kommentar, Aufrufe: 2240

Kommentar

“Gelbe Karte fürs Präsidium”

(Weite) Teile der aktiven Lilien-Fanszene machen vor dem Kick gegen Bremen auf, aus ihrer Sicht, falsche Entscheidungen (merke: Plural) der Vereinsführung aufmerksam. Tags drauf drückt Präsident sein Unverständnis über diese Aktion aus und bringt sie dabei ursächlich in Zusammenhang mit der Bild Aktion, als man auf den Ärmeln der Profis aus heiterem Himmel den Eindruck erwecken wollte, die Bild hätte ein Herz für Flüchtlinge. Kindergarten! Oder steckt vielleicht doch mehr dahinter?

Natürlich steckt mehr dahinter! Wer den verteilten Flyer der Fangruppen aufmerksam liest, dem kann nicht entgehen, dass die Initiatoren von Angst getrieben sind. Angst dass der SV98 zu einem “austauschbaren 0815-Club mutiert”. Dabei betont man explizit, dass es nicht viel zu meckern gibt und man die Entwicklung des Vereins insgesamt “mit Spaß am Verein” begleitet. Viel mehr Lob gibt es für die normale deutsche Vereinsführung selten.

Der Lilienfan, der die Abgründe der Fußballbranche kennenlernen musste, ist aber kein weichlicher Jammerlappen, der öffentlich auf Marginalien aufmerksam macht. Hier entspricht der Lilienfan vielmehr dem neuen Claim des Vereins: Er ist anders. Wenn er die Öffentlichkeit sucht, drückt der Schuh und zwar gehörig.

Natürlich ist der Anlass – bitte nicht verwechseln mit Ursache – die schlechte Rolle, die der Verein in erwähnter „Bild Zeitung auf dem Ärmel“ Sache darbot. Nicht nur aus Fansicht wurde der SV98 seiner Rolle des „anders sein“ nicht gerecht. Stromlinienförmig passte man sich dem Rest der Erstligisten an und verschandelte das heilige Trikot mit einer fast zynischen Botschaft in Sachen Eigenwerbung des Boulevardblattes. Moralisch, ethisch und generell ist dieses Verhalten, das als vorauseilende Befehlsausübung wahrgenommen wird, nicht nur zweifelhaft. Sie ist schlicht verwerflich. Hier lies sich der SV98 von einem doppelmoraligen Propagandaapparat missbrauchen. Präsident Fritsch betont stets, dass er und seine Mitstreiter sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hätten. Die Frage an dieser Stelle ist: Warum hat man dann nicht eine Kompromissformel gesucht. Bild Chefredakteur Diekmann hatte dem FC St.Pauli angeboten, eine entschärfte Variante auf den Ärmel zu nehmen, die ohne das Logo des Blattes ausgekommen wäre. Eine solche abgemilderte Variante wäre ein Zeichen gewesen, ohne eventuell bei der allmächtigen DFL anzuecken. Denn, keiner weiß, welchen Druck die Muttergesellschaft des Profifußball hinter den Kulissen ausübte. Es fällt nur auf, dass der Kreis derer, die anders waren, sich ausschließlich aus der 2.Liga rekrutierte. Außer dem FC Bayern, der nutzte den Trauerflor, der dem Tode Dettmar Cramers gewidmet war, um das ungeliebte „Badge“ zu verdecken.

Wie aber angedeutet, dieses „Badgegate“ ist nur ein Baustein der Sorgen. Etwas kryptisch werden weitere Verstimmungen erwähnt, wie „Äußerungen über das Premiumprodukt“, man führt das Stadionprojekt an und verweist auf die Preisgestaltung zur neuen Runde. Insgesamt ein Paket, das man in seiner potentiellen Kritiksubstanz nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte beim SV98. Denn es geht in und um den Verein derzeit um gewichtige Entscheidungen, die eine Tragweite von Jahrzehnten haben werden. Offensichtlich sieht sich der aktive Teil der Fanszene bei vielen Entscheidungen nicht ausreichend bedacht oder involviert.

Genährt wird dieses Gefühl durch die wenig rühmlichen Aktivitäten rund ums neue Stadion, durch zwar begründbare aber teils überzogen scheinende Preiserhöhungen zur neuen Saison und durch Pläne zur Ausgliederung der Profis. Letzteres wird in ein Zwielicht gerückt durch anstehende Satzungsänderungen bei der kommenden Jahreshauptversammlung. Warum müssen jetzt Teile der Satzung geändert werden, wenn doch innerhalb eines absehbaren Zeitraums die Vereinsstruktur doch komplett geändert werden soll?

Der SV98 ist in Bewegung und das in atemberaubendem Tempo. Das Präsidium des Vereins leistet harte und, wie der Erfolg zeigt, offensichtlich gute Arbeit. Urheber des sportlichen Erfolgs ist zwar Dirk Schuster, aber ohne die Arbeit des Präsidiums und seiner (zum Teil angestellten) Mitstreiter wäre unser Verein nicht in der Beletage angekommen. Es scheint aber, dass bei dem hohen Tempo etwas verloren ging: Der ständige Meinungsaustausch zwischen Fans, Mitgliedern und Verantwortlichen. In Zeiten in denen es dem Verein deutlich schlechter ging gab es eine ständige Kommunikation – und zwar teilweise über jeden „Scheißdreck“. Diese Kultur, die in der Tat anders war (und ist und auch wieder sein könnte) muss wiederbelebt werden. Am besten in der alten Qualität und Quantität. Nur wen mer miteinander reddt kommt mer auch ins Gespräch, sagt man in Darmstadt.    

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