Montag, 23 November 2015

Führung verspielt

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Auswärtsspiel Bundesliga FC Ingolstadt Saison 2015-2016 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 1237

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Führung verspielt

Als Captain Sulu in der 9.Minute zum Führungstreffer einnickte fühlten sich viele an den Auftritt in Leverkusen erinnert. Dort hatten die Lilien ähnlich früh den Siegtreffer erzielt und auch dort war es der Lilien-Kapitän, der per Kopf erfolgreich war. Also sollte beim Mitaufsteiger etwas möglich sein, was beim Champions League Teilnehmer schon gelang. Immerhin ist das Defensivspiel der Heiner mittlerweile so etwas wie ein Trademark. Es sollte aber anders kommen...

Und zwar ganz anders. Denn im gleichen Maß, in dem die Gastgeber sich steigerten, wurden die Lilien schwächer. Ab der 30. Minute spielte im Audi-Park nur noch ein Team, die Ingolstädter. Bereits beim Pausentee des kleinlichen Spielleiters Knut Kirscher (Kicker Note: 1,5) war der Bestand des Vorsprungs glücklich. Aus unerklärlichen Gründen zeigten die Lilien keinerlei Bemühungen, den Vorsprung auszubauen. Der Rückwärtsgang war angesagt, man überließ den Hausherren Raum und Initiative.

Vielleicht sah der Gameplan überfallartige Tempogegenstöße vor. Zu denen kam es aber erst gar nicht, weil fast jeder Versuch, den Ball in die vorderste Front zu bugsieren, in den Beinen der Schanzer endete. Bereits im ersten Durchgang zeichnete sich ab, dass das Mittelfeld der Heiner an diesem Sonntag nicht stattfinden würde. Peter Niemeyer wirkte übermotiviert und lies gewohnte Präzision in seinem Spiel vermissen. Jerome Gondorf war im Kopf wohl stark abgelenkt, seine Frau stand kurz vor der Entbindung, und schaffte es selten seine ihn auszeichnenden Impulse einzubringen.

Also wurde auffallend oft das Stilmittel, das Fußballer „Langholz“ nennen, bemüht. Zu oft wurden die langen Bälle aber Beute der Ingolstädter. Die Offensive der Lilien? DSE eigentlich nicht präsent. Marcel Heller, von der Defense der Hausherren aus dem Spiel genommen, wirkte zwar bemüht, aber entnervt von dem ständigen beackert werden Einzig Kocka Rausch legte Normalform an den Tag und verdiente sich das Prädikat, bester Spieler der Lilien.

Dass es aber zu einer schmerzhaften 1:3 Niederlage wurde, lag an 2 Minuten, in denen das Lilien Kollektiv jede Kontrolle am Geschehen verlor. Erst köpfte Niemeyer den Ball unbedrängt aus dem Strafraum in die Füße des völlig alleingelassenen Bauer, der das Spielgerät dankbar unter die Latte hämmerte (58.), dann foulte der an diesem Abend völlig indisponiete Junior Diaz Ingolstadts Groß im Strafraum (60.). Klare Sache, Elfmeter, den Hartmann sicher verwandelte. Der in den letzten Spielen oft gescholtenen Christian Mathenia hatte bei beidem Treffern keinerlei Chance. Dass Hartmann in der 88.Minute den Endstand, unbedrängt per Kopf, herstellte war im Grunde nur noch aus Sicht der Audianer interessant Für die Gastgeber stellt das Ergebnis den höchsten Heimsieg der noch jungen Bundesligageschichte dar. Nun haben sie 10 erzielt. Immerhin hier liegt der SV98 deutlich vorne, denn Sulus Treffer war der 100. in der Erstligahistorie des SV98.

Ja, das Resümee des Spiels klingt nach einer desolaten Leistung der Boys in blue. Die Eigenarten, für die die Lilien seit zwei, drei Jahren stehen wurden diesmal nicht in die Waagschale geworfen. Insbesondere der zweite Durchgang war mit das schlechteste Stück Fußball unter dem Trainer Schuster überhaupt. Wenig Aggressivität, zu weit weg vom Gegenspieler, zu ungenaues Aufbauspiel und wenig Erfolg in den Zweikämpfen, mit Sulu, Caldirola und Rausch nur drei Spieler in Normalform sind die Zutaten für eine verdiente Niederlage.

Waren die letzten Spiele noch unter Ergebniskrise zu verbuchen, muss man für dieses Spiel festhalten, dass diese Leistung halt nicht gereicht hat. Aber es war klar, dass auf dem Niveau der 1.Liga auch mal solche Spiele vorkommen würden. Einzig überraschend ist, dass es bis zum 13.Spieltag dauerte und dass ein solches Spiel ausgerechnet gegen den Mitaufsteiger passiert, gegen den man sich insgeheim deutlich mehr ausgerechnet hatte.
Trotz dieses Ausrutschers besteht kein Grund zur Panik am Bölle. Im 13.Spiel passierte das, was die Experten für alle 34 Spiele prognostiziert hatten. Zudem haben Schusters Kicker In den 12 Begegnungen zuvor wurde der Nachweis erbracht, dass man mithalten und punkten kann. Voraussetzung ist allerdings, stets alles zu geben, nur dann sind die Lilien konkurrenzfähig. Lässt man ein paar Prozent in der Kabine, oder wie in Ingolstadt viele Prozent, reicht es halt nicht. Aber das wussten wir von vorneherein…

Anzumerken ist noch, dass dieser Kick unter nicht ganz alltäglichen Vorzeichen stand, denn das „normale“ Leben hat in seiner widerlichsten Form mittlerweile auch den Fußball ereilt. Wegen verschärfter Sicherheitsvorkehrungen begann das Spiel mit Verspätung. Sicherheitsvorkehrungen, die menschenverachtendem Terror geschuldet sind. Auf die Ereignisse in Paris und die Absage des Länderspiels in Hannover muss nicht mehr großartig eingegangen werden. Aber die Tatsache, dass nun als Folge darüber diskutiert wurde, ob ein kompletter Spieltag abgesagt werden muss/soll ist eine Niederlage. Eine Niederlage der freiheitlichen, aufgeklärten Gesellschaft, die unser Leben erst ermöglicht. Deshalb wäre die Absage eines kompletten Spieltags kaum akzeptabel gewesen. Gegen den Terror kann es nur Widerstand geben, zivilen und evtl. militärischen – aber dies haben andere zu beurteilen und soll im Moment nicht unser Thema sein. Aber es sei angemerkt.


Video: Die PK nach dem Spiel

 

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