Dienstag, 04 August 2015

Erinnerungen an die Vergangenheit

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags #DFBPokal #Saison 2015-2016 1_Runde SV Darmstadt 98 TUS Erndtebrück, Aufrufe: 780

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Erinnerungen an die Vergangenheit

_So langsam geht die Sommerpause auch für uns und unseren Blog dem Ende entgegen. Das war wahrlich eine denkwürdige Pause. So als Bundesligist vergeht kaum ein Tag, an dem es keine News gibt. Alleine in den letzten Wochen gab es mehr Berichte in Funk, TV, Print und Internet als in den Jahren zuvor in Summe. Und  das auch noch in fast jeder lebenden Sprache. Wahnsinn! Wahrscheinlich weiß sogar auf den Fidschis (fast) jeder,  dass der SV98 erstklassig ist. Da mutete das erste Pflichtspiel der Saison schon fast beschaulich romantisch an: Im Siegener Leimbachstadion treten die Lilien bei und gegen TuS Erndtebrück an.

Dass die Lilien bei der Auslosung der ersten Runde des DFB-Pokals im Profitopf weilten verdanken sie Elton Da Costas (die Älteren werden sich an ihn erinnern) Kunstschuss am 19.Mai 2014. Gegen 22:59 Uhr hatte der Brasilianer die Heiner in die 2.Liga geschossen. Die Lilien waren sensationell im Profifußball der Moderne aufgeschlagen. Jetzt, ein Jahr später, wissen wir, dass auch die 2.Liga erstmal nur eine Durchgangsstation war. Bekanntlich stieg unser Sportverein von 1898 als Vizemeister der 2.Liga in den erlauchten Kreis der besten Teams, in die höchste Liga des Weltmeisters auf. So kommt es, dass die Lilien das Startrecht, das ihnen als frischgebackener Zweitligist zugesprochen wurde, als Bundesligist einlösen. Die Vergangenheit holt die Lilien ein. Soll nochmal einer sagen, Fußball sei ausschließlich ein Tagesgeschäft.

Auch die Spielstätte, in die der Gastgeber ausweicht, ist eine Reise in die eigene Vergangenheit des SV98. Es fühlt sich fast wie gestern an, dass Lilienfans den Sportfreunde Siegen Torwart mit Sprechchören feierten ("Thomas Richter ist Darmstädter") oder dass sich die blau-weißen Schlachtenbummler über kalte Selgros-Wurst aus der Dose ärgerten und über Glühwein mit Cognac freuten. Aber die Sportfreunde sollen heute nicht unser Thema sein. Die sind längst wieder in den Tiefen des Amateurfußballs versunken, aus denen sie 1998 im Rahmen der letzten ausgespielten Deutschen Amateurmeisterschaft empor gespült wurden.  

Der Gastgeber am kommenden Freitag ist der Turn- und Sportverein Erndtebrück 1895 e. V., um den soll es in diesem Ausblick gehen. Im Grunde ist der Name Erndtebrück auch so etwas, wie eine Erinnerung an die Vergangenheit. Auch wenn die Heiner noch nie gegen die Westfalen kickten, so reihen sie sich in die lange Liste der Nonames, wie Mörlenbach, Erzhausen, Fernwald  oder Ditzingen ein. Alles Namen, die den Lilien das Leben in den dunklen Jahren nur allzu schwer machten.

Wer ist aber der Meister der Oberliga Westfalen, der nun in der Regionalliga West kickt und zusammen mit dem SV98 die Pokalsaison eröffnet? Fußball wird in dem beschaulichen Dorf (~7.200 Einwohner) seit 1921 gespielt. Erstmals überregional der TuS aber erst im Jahr 2.000 wahrgenommen, als man in die Verbandsliga Westfalen aufstieg. 2011/2012 wurde man fünftklassig und diesen Sommer schaffte man den Sprung in die Regionalliga West. Für einen "Dorfverein" eine beachtliche Entwicklung, an der eine Lilienikone ihren Anteil hat. Peter Cestonaro (180 Spiele und 89 Tore für die Lilien) trainierte Erdntebrück von 2009 bis 2013.  

Ansonsten fällt es naturgemäß schwer, viel über den Regionalligisten zu erzählen. Der Kader, der von Trainer Florian Schnorrenberg betreut wird, weist keine Spieler aus, die überregional schon auf sich aufmerksam gemacht haben. Allenfalls Midfielder Tim Treude (25), der auch schon für die Zweite des BvB und Rot-Weiß Essen am Ball war, könnte dem ein oder anderen schon mal in einem Spielbericht begegnet sein.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass Erndtebrück seinen Ligaauftakt bei Gladbach II gehörig verpatzte. Mit 5:1 musste man sich geschlagen geben. Wobei der Japaner Tokio Nakai sich für den Ehrentreffer der Westfalen verantwortlich zeichnet. Ja, der Japaner ist im beschaulichen Erndtebrück sicherlich so etwas wie der globetrottende Held. Der vielgereiste Fußballer spielte bereits in  Japan, Italien und Deutschland, zumeist in unterklassigen Vereinen.

 Kurios war die Auslosung, die zu dieser Partie führte, denn gleich die ersten beiden Kugeln, die Andrea Petkovic zog, führten zu diesem Duell. Und ebenso kurios war es, dass in und um Erndtebrück zunächst einmal Enttäuschung die Stimmung trübte. Nicht die Bayern, nicht der BvB, nicht Gladbach, nein die südhessischen Aufsteiger waren der Gegner. Mittlerweile aber hat sich die Enttäuschung gelegt und die ein oder andere Kampfansage ist zu hören gewesen. Zweifellos ist dieses Spiel eines, das den vielzitierten Reiz des Pokals ausmacht. KIein gegen (mittlerweile) groß. (Bonsai) David gegen (heranwachsenden) Goliath.  

Für Dirk Schuster ist der Kick eine willkommene Generalprobe unter Wettbewerbsbedingungen. Der Vordenker der Lilien erwartet zwar auch im Training und bei Testspielen, dass stets hundertprozentiger Einsatz gezeigt wird, er weiß aber auch, dass der sportliche Wettbewerb durch nichts zu ersetzen ist. So ist auch zu erwarten, dass er seine stärkste Truppe in den Kampf schickt. Wer das sein wird? Wie viele der Neulilien am Start sein werden? Darüber kann nur spekuliert werden.

Aber es lohnt sich, mal einen Blick auf die Neuen zu werfen. Zumindest auf die, die derzeit schon unterschrieben haben. Denn komplett ist der Kader noch nicht, jedenfalls nicht zum Zeitpunkt, zu dem ich diesen Text zusammenklöppel.

Der Lilienkader hat nun einen Marktwert von sage und schreibe 17,35 Millio. €! Wahnsinn für unsere Verhältnisse, aber im Vergleich zur Bundesliga Konkurrenz kaum nennenswert. Dass der Marktwert derart hochgegangen ist liegt natürlich auch an den neuen Profis. Aber auch bei den Neuerwerbungen spiegelt sich Schusters Philosophie wider. Durch die Bank durch waren alle mal mehr wert. Hier mal eine Aufstellung:

Luca Caldirola: höchster Marktwert: 4 Millio. € - derzeitiger Wert: 2 Millio. €
Junior Diaz: höchster Marktwert: 2 Millio. € - derzeitiger Wert: 1,5 Millio. €
Peter Niemeyer: höchster Marktwert: 2,5 Millio. € - derzeitiger Wert: 0,5 Millio. €
Mario Vrancic: höchster Marktwert: 2 Millio. € - derzeitiger Wert: 1,75 Millio. €   
Konstantin Rausch: höchster Marktwert: 5 Millio. € - derzeitiger Wert: 1,5 Millio. €

Klar, was einen Trainer, der Aytac Sulus Marktwert von 300 TSD. € auf 1 Millio. € hochhob antreibt, diese Spieler zu verpflichten, die er geholt hat. Er will das alte Potenzial rauskitzeln, die alten Qualitäten wieder an den Tag legen. Denn diese Qualitäten werden die Lilien benötigen, um den angestrebten Klassenerhalt auch realistisch erscheinen zu lassen. So kommt dem Erstrundenspiel gegen den Aufsteiger in die Regionalliga mehr Bedeutung zu, als nur die Chance auf die zweite Runde zu sein. Der Kick kann ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge sein.  

Auf alle Fälle dürfte das Spiel für einige Zeit das letzte sein, in das die Heiner als eindeutiger Favorit gehen. Und machen wir uns nix vor und bei allem Respekt vor dem unterklassigen Gegner, nur ein Freilos wäre sportlich leichter gewesen. Alles andere als der Einzug in die nächste Runde wäre eine große Überraschung. Diese Wertung gilt aber nur, wenn das Team das Spiel auch seriös angeht und die eigenen Stärken einbringt. Aber muss man sich darüber Gedanken machen, wenn ein Dirk Schuster an der Seite steht?

 

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