Donnerstag, 06 Februar 2014

Drittliga Gipfel auf den Höhen der Ostalb

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Auswärtsspiel FC Heidenheim Saison 2013 _ 2014 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 390

Aufeinandertreffen zweier Philosophien

Drittliga Gipfel auf den Höhen der Ostalb

FC Heidenheim, ein Name, der derzeit die 3.Liga ähnlich ehrfurchtsvoll erschaudern lässt wie zwei Klassen höher der Name des Rekordmeisters. FC Heidenheim, ein Name, der zum Synonym für einen unaufhaltsamen Aufstieg aus dem Nichts in überschaubarer Zeit wurde. Unangefochten führt das Kunstprodukt, das sich als schwäbischer Dorfverein zum Anfassen tarnt, die Liga an. Man könnte meinen, eigentlich können sich die Heiner die Fahrt sparen... können sie das wirklich?

Schauen wir uns die Kontrahenten an. Hier der Gastgeber, bei dem die Marketingchefs der Geldgeber mit jeder monetären Zuwendung wohl einen Code of Conduct der Schwäbischen Bescheidenheit aushändigen. Man versucht alles, um nicht als Blaupause des Modells Hoffenheim wahrgenommen zu werden. Vielmehr gibt man sich volksnah. Um dies zu untermauern erwirbt der Milliarden schwere Hauptsponsor Dauerkarten, um sie generös unter den eigenen Mitarbeitern zu verteilen. Heile Idylle auf der Ostalb. Die starke heimische Industrie investiert in ein noch geschichtsloses Produkt, das ähnlich scharf und präzise designet ist, wie ein modernes Hightech Produkt. Selbst das Vereinswappen scheint eher von einem Finanzbuchhalter in der Freizeit entworfen zu sein, denn aus der Feder eines Künstlers zu stammen.

Da wirken die Lilien wie der komplette Gegenentwurf. Ein virtueller Rucksack, gefüllt mit purer Fußballgeschichte, wird von Präsident zu Präsident weitergegeben. Der treue, harte Kern der Fans scheint selbst den angestammten Stehplatz im Altehrwürdigen von Generation zu Generation zu vererben. Und wie an kaum einem anderen Fußballstandort kennt man in der Woogstadt fast alle Höhen und Tiefen, die dieser Sport zu bieten hat. Geradezu charakterisierend ist die jüngere Geschichte. Ohne über ausufernde finanzielle Mittel zu verfügen, wurde zuerst in einem Kraftakt eine Insolvenz abgewendet, der Verein stabilisiert und ohne jede dahin gehende strategische Planung der Sprung in die 3.Liga geschafft. Dass nach dem sportlichen Abstieg der letzten Saison die Heiner nun in ihrer Saison auf Bewährung oben kräftig mitmischen grenzt zwar an ein Wunder, passt aber ins Bild des eigenwilligen Traditionsvereins. Der Status des Kultvereins kommt nicht von ungefähr und Unerklärliches ist stets ein treuer Wegbegleiter.

So kommt es, dass sich am Samstag zwei gegensätzlich korrelierende Fußballwelten auf Augenhöhe begegnen. In der Rückrunde marschierten beide gar im Gleichschritt durch die Liga. Sowohl Heidenheim, als auch die Lilien können nach sechs Spieltagen vier Siege und jeweils zwei Unentschieden vorweisen. Selbst das erspielte Torverhältnis in dieser Zeit ist ähnlich. Dass die Schwaben aber mittlerweile sagenhafte vierzehn Punkte Vorsprung auf Platz 3 haben, liegt an einer Vorrunde der Superlative. Gerade einmal zwei Niederlagen stehen in Summe derzeit sechzehn Siege entgegen. Eine der beiden Niederlagen kassierte Heidenheim im Hinspiel am Bölle. Ein gutes Omen für die Heiner?

Zumindest standen die Zeichen noch nie derart günstig, etwas Zählbares mitzunehmen, wie es Dirk Schuster ausdrückt. Bisher waren die Lilien bei ihren drei Ausflügen auf die Ostalb stets krasser Außenseiter, was die Statistik von drei glatten Niederlagen auch belegt. Dieses Mal beschränkt sich das Außenseiterdasein einzig auf den nötigen Respekt, den man haben sollte, wenn man beim Ligadominator antritt. Als zweitbestes Auswärtsteam der Liga müssen die Heiner ohnehin nicht mit gesenktem Kopf den Rasen betreten.

Ganz im Gegenteil. In diesem Spitzenspiel ist der Gastgeber in der Bringpflicht. Die Heiner können befreit aufspielen. Eine Niederlage in Heidenheim würde zwar die Konkurrenz aufhorchen lassen, mehr aber auch nicht. Ein Punktgewinn könnte golden sein und am Ende den Unterschied zu Gunsten der Lilien ausmachen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Mitbewerber zum Verlassen der Klasse allesamt gegen „Bayern“ Heidenheim reihenweise punkten. Und ein Sieg der Lilien wäre der unerwartete, vorläufige Höhepunkt einer bisher sensationellen Saison der Lilien.

Den Lilien steht also ein entspanntes Spitzenspiel bevor, das der blau-weiße Tross in vollen Zügen genießen kann. Und chancenlos, zumindest einen Teilerfolg zu erlangen, ist der SV98 beileibe nicht. Es mag dabei kurios erscheinen, dass ausgerechnet das Fehlen von Supergoalgetter Dominik Stroh-Engel und die unklare Situation, wer im defensiven Mittelfeld das Spiel sortieren soll, den Lilien einen Vorteil im Taktikpoker bescheren kann. Heidenheims Coach, Schmitt, sieht sich mit der Frage konfrontiert, ob sein Gegenüber das erfolgreiche Spielsystem gravierend ändert – oder ob eben nicht. Immerhin verfügen die neu verpflichteten Backup Kicker der Lilien, Josip Landeka und Markus Ziereis, über genügend individuelle Qualität um sich nahtlos in Schusters Spiel einzufügen. Sie sind aber potentiell auch in der Lage ein Spiel und sei es ein Spitzenspiel auf hohem Liganiveau für ihr Team zu entscheiden.    

Was für eine grandiose Ausgangssituation für die Lilien! Beim Aufeinandertreffen der beiden besten  Teams der Rückrunde kann Dirk Schusters Team ohne jeden Druck aufspielen. Und getreu dem Motto:“misse dun mer goar nix, aber wolle däde mer schun“ können sie befreit von jedem Druck auf den Höhen der Ostalb den Traum, den ich jetzt nicht ausspreche, weiter nähren...

 

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