Sonntag, 06 August 2017

Déjà-vu

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags 1_ FC Kaiserslautern 2_Bundesliga Heimspiel Saison 2017-2018 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 1234

#FCKD98

Déjà-vu

Vieles womit der FCK die Lilien konfrontierte war merkwürdig bekannt und doch fremd. Wie so oft im richtigen Leben auch wurde das “Date mit dem Ex” zu einer nervigeren Angelegenheit als erwünscht und das Ergebnis würde jeden Mediator mit Stolz erfüllen. Die defensive Ausrichtung der ehemals gefürchteten Teufel war für die Lilien ein Déjà-vu mit der eigenen Vergangenheit. Wie es halt so ist, wenn man ein Tête-à-Tête mit dem/die/das Ex hat.

Aber Kaiserslautern machte eine Sache besser, als die Heiner unter meierischer Führung der Vorsaison, sie gingen per Glücksschuss aus der Distanz in Führung (39.Halfar). Ein Treffer, den Heuer Fernandes sicherlich verhindert hätte, wäre nicht des Captains Kopf verantwortlich gewesen für eine begünstigende Veränderung der Flugbahn. Kein Vorwurf an Aytac Sulu, aber eine entlastende Erklärung für den Keeper. So mancher mutmaßte im Stadion ob der Ball nicht doch haltbar gewesen wäre. Die TV-Bilder schlüsseln aber diese Szene eindeutig auf.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Lilien gefühlte 98% Ballbesitz, was etwas komplett Neues ist. Manko dabei: Sie wussten herzlich wenig mit dieser Überlegenheit anzufangen. Außer einer Kopfballchance durch Artur Sobiech (16.) hatte Lauterns Goalie Müller wenig Gelegenheit zu beweisen, dass seine Nürnberg Aussetzer nicht die Regel sind. Aber woran lag es, dass Frings Eleven wenig Spielwitz oder zündende Ideen entwickelte? Ein erster legitimer Erklärungsversuch dürfte sein, dass das neu formierte Team immer noch einem Lernprozess unterliegt. Einer von der Art, die man schlecht bis gar nicht trainieren kann, sondern eben im Wettkampf erfahren muss. Ein weiterer Grund dürfte das sich kurzfristig einstellende Verletzungspech sein. Mit Peter Niemeyer, muss sich einer Fersen-OP unterziehen, Sandro Sirigu, wird noch genauer mit Hilfe eines MRTs untersucht und last but not least Fabian Holland, der Probleme am rechten Sprunggelenk hat, standen Frings sage und schreibe drei Spieler der Viererkette des ersten Spiels nicht zur Verfügung.

Es dürfte Verständlich sein, dass eine Mannschaft wie der SV98 des Jahrgangs 17/18, mitten in der Findungsphase, eine derart massive Veränderung des Gerüsts nicht aus dem Stand heraus wegsteckt. Im Gegenteil, dafür schlug sich das Team im ersten Durchgang mehr als respektabel aus der Affäre. Die berechtigten Kritikpunkte, wie etwa, dass Heuer Fernandes zu oft ins Spiel einbezogen wurde, oder, dass Artur Sobiech sich zu sehr versteckte und so kaum anspielbar war, müssen auch dem Trainerteam um Frings missfallen haben. Denn den 2.Durchgang gingen die Lilien strukturierter und spielerisch verbessert an.

Druckvoll wurde die Auswahl vom Bölle aber erst, als der taktische Vordenker Frings Patrick Banggaard vom Platz nahm und auf eine Dreierkette umstellte. Für den Dänen griff der Australier Jamie Maclaren erstmals im Lilientrikot in ein Pflichtspiel ein. Eine Personalie, die sich in der 72.Minute auszahlen sollte. In dieser Minute legten die Lilien einen Spielzug aufs grüne Parkett, der dem Lehrbuch entsprungen sein könnte. Kevin Großkeutz war der Ausgangspunkt, als er nach innen zog und Wilson Kamavuaka anspielte, dieser wiederum leitete den Ball auf Markus Steinhöfer weiter, der sich vorbildlich auf rechts in Position gebracht hatte. Steinhöfers präzise Hereingabe erwischte Maclaren, Lauterns Goalie Müller konnte nur abklatschen und Kamavuaka netzte überlegt ein. Dieser Treffer verdient es derart ausführlich geschildert zu werden, denn hier blitzte das Potenzial auf, das in dieser Mannschaft steckt.

In den letzten rund 20 Minuten drückten die Heiner weiter in Richtung Lautrer Tor. Aber es ist wohl dem Kräfteverschleiß an diesem Sommerabend geschuldet, dass es keine echten Lilienchancen mehr gab. Im Gegenteil, in der Nachspielzeit musste Heuer Fernandes mit einer Glanztat den verdienten Punkt gegen Moritz verteidigen, der überraschend alleine vor dem Tor auftauchte.

Am zweiten Spieltag der Saison präsentierten sich die Lilien im Vergleich zur Vorwoche insgesamt verbessert. Aber sie wirken noch nicht auf der Höhe der Schaffenskraft. Wie sagt man so gerne? “Es gibt noch Luft nach oben”. So wird es auch Torsten Frings beurteilen, der nach dem Abpfiff nicht komplett zufrieden wirkte. Vielleicht gingen ihm seine eigenen Worte durch den Kopf, “das ist ein Entwicklungsprozess und wir brauchen etwas Geduld”, hatte er vor der Saison mal angemerkt. Bezeichnend auch, dass der bisherige Saisonstart als gut, aber nicht überragend bewertet wird. Der Presse gegenüber lies er noch durchblicken, dass er gerne “mehr Mut” bei seiner Mannschaft sehen würde. Für diesen Mut braucht das Team Selbstvertrauen, das nur über positive Ergebnisse im Wettkampf kommen kann. Und da sind die Heiner mit 4 Punkten aus zwei Spielen mehr als ordentlich aufgestellt.

Und ein 1:1 auf dem Betzenberg ist auch ein positiv besetztes Déjà-vu, wenngleich das letzte Mal die Vorzeichen anders waren.

 

Bilder vom Kick: << Klick >>

Nachtrag:

Interview mit Markus Steinhöfer zum Punkt in Kaiserslautern:

 

Liken & Teilen

Social Bookmarks

Previous/Next Link

Über den Autor

Joshi

Joshi

Admin der Seite

Hinterlasse einen Kommentar

Du kommentierst als Gast