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Darmstadt geje Meenz: Zwee zu Eens

Dienstag, 07 März 2017

Darmstadt geje Meenz: Zwee zu Eens

Geschrieben von: James Cagney, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Bundesliga FSV Mainz 05 Heimspiel Saison 2016-2017 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 675

#D98M05

Die Dialektüberschrift bezieht sich nicht auf einen Tipp für das kommende Bundesligamatch am Bölle (obwohl gegen solch ein Endergebnis kein Heiner ein Veto einlegen würde), sondern auf das wichtigste Spiel der prinzipiell sehr raren Duelle gegen den Rivalen aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Aufgrund der aktuellen Tabellentristesse plus den Hinterkopferinnerungen, dass die Lilien früher auch im Unterhaus um die Daseinsberechtigung kämpften, lassen wir uns von Montgomery Scott 25 Jahre zurückbeamen. Wer 1992 den Bund der Ehe schloss und heute egal mit oder ohne Quickie-Seitensprung gesund und munter die Ringe mit der gleichen Amazone teilt, dem gratulieren wir an diese Stelle herzlich zur Silberhochzeit irgendwann in 2017. Auch Wilhelm Huxhorn, der in der weiteren Berichterstattung noch eine tragende Rolle spielt, hätte Ende Mai 2017 dieses Jubiläum feiern können, aber leider hat es das traurige Schicksal anders gewollt.

Drei Themen beschäftigten die Weltbevölkerung am Sonntag, dem 17. Mai 1992: „The Genschman“ ging nach achtzehn Jahren Amtszeit zumindest offiziell in Außenministerrente, der neue Münchener Airport eröffnete unter dem Namen des ehemaligen bayrischen Landesvater Franz Josef Strauß seine Ticketschalter und zu einem echten „Endspiel“ um den Klassenerhalt in der Zweiten Liga empfing der SV Darmstadt von 1898 die Fastnachtsjecken vom linken Ufer des Vaters Rhein, der seit 1945 die südhessische Residenzstadt bundeslandpolitisch von der Geburts- respektive Sterbestätte des Buchdruckerfinders Johannes Gutenberg trennt. Bis Kriegsende wurde Mainz mehr oder weniger von Darmstadt aus „regiert“, doch das ist eine andere Geschichte.

Zum besseren sportlichen Verständnis für die Jungspundleser muss man erläutern, dass in jener Saison 91/92 die Zweite Liga erstmals seit 1981 und das letzte Mal überhaupt mit zwei Staffeln den Dienst aufnahm. Anlass für diese einjährige Reaktivierung war die germanische Wiedervereinigung. Die Ostgoten mussten natürlich in den Gesamtspielbetrieb integriert werden und so kam es zur Teilung (eigentlich ein kontraproduktives Substantiv so relativ kurz nach der Wende) in Nord und Süd mit je zwölf Vereinen.

Der SV98 kickte selbstredend im Süden und nachdem jeder gegen jeden in Hin- und Rückspiel untereinander die Messer gewetzt hatte, wurde das Teilnehmerfeld Ende 1991 noch einmal gespalten. Die besten sechs Teams spielten ab Frühjahr einen Bundesligaaufsteiger aus und das „schwächere“ Sextett musste irgendwie versuchen, den Fall in die jeweilige Oberliga abzuwenden. Eigentlich müßig zu erwähnen, dass die Lilien neben VfB Leipzig, den Münchener Löwen, Hallescher FC, Rot-Weiß Erfurt und eben den Meenzern dem zweitgenannten Pulk angehörten. Gegen diese fünf Nebenbuhler lief man innerhalb von nur zehn Monaten viermal auf (je zweimal zu Hause und auswärts).

Zwei Klubs traf der Abstiegsstrahl direkt und auf den drittletzten wartete eine Relegation gegen den nördlichen Leidensgenossen, der beizeiten feststand und als Fortuna Köln im Vereinsregister eingetragen war. Jean Löring bestellte ein paar Kölsch in einer seiner Kaschemmen und wartete selbstbewusst auf den Herausforderer (letztendlich waren es die Sechziger, die gegen den kleinen Bruder des „Eff-Zeh“ scheiterten und in den sauren Abstiegsapfel bissen). Vor dem letzten Spieltag, womit wir uns nach dem Vorgeplänkel nun endgültig dem 17.05.1992 widmen, warf die 98er-Konstellation folgende mathematische Zukunftsformeln aus: Niederlage gleich Absturz, Remis gleich Relegation und Sieg gleich Ligaverbleib. Auch die angereisten Rheinhessen saßen noch im Zitterboot. Abhängig von den Resultaten auf den anderen Schauplätzen war auch für sie noch eine sportliche Luftveränderung möglich.

Nach drei vorausgegangen Saisonpleiten gegen Mainz (eine davon kostete Jürgen Sparwasser im November 1991 den Übungsleiterjob) schickte Trainer Rainer Scholz als Nachfolger des einstigen DDR-Heros folgenden blau-weißen Elferrat gegen die Narrhalesen von Ernst Neger und Rolf Braun zur Sitzung am Bölle: Wilhelm Huxhorn, Dirk Bakalorz, Freddy Heß, Martin Kowalewski, Yvo Hoffmann, Rafael Sanchez, Stephan Täuber, Gerhard Kleppinger, Jürgen Baier, Thomas Weiss und Thomas Lauf.

Für die 9400 bangenden 98er-Fans unter den 10000 Zuschauern schlug es schnell Dreizehn. In jener ominösen Minute verwandelte Michael Becker mit der Gästeführung das altehrwürdige Stadion in Schockstarre. Die Vorarbeit leistete eine gewisser Jürgen Klopp. Ob er in der anschließenden Jubeltraube „You never walk alone“ trällerte und von der Anfield Road träumte, ist nicht überliefert. Ein 0:2 war mehrfach möglich. Alleine Wilhelm Huxhorn stemmte sich dank glänzender Paraden u.a. gegen Thomas Zampach (fertigte 2011 als 98er Co-Trainer den Aufstiegsgürtel für seinen Chef Kosta Runjaic an) bis zur Pause gegen weiteres Unheil.

Nach dem Seitenwechsel wehrten sich die Lilien leidenschaftlich gegen das Damoklesschwert der Degradierung, aber die erlösende Bude wollte (noch) nicht fallen. Kleppo und der eingewechselte Odenwälder Bub Stefan Trautmann visierten nur den Pfosten an. Alle Mühe umsonst? Die Zweifel konnte keiner zerstreuen – egal ob auf dem Ground agierend oder auf den Rängen die Daumen drückend.

Doch dann schlug sie, die große Stunde des Sturmpärchens. In der 80. Minute (sch)weißte der eine zum Ausgleich ein und nur 240 Sekunden später hatte sein nur wegen einer Oberschenkelverletzung von Henrik Eichenauer mitwirkender Offensivpendant den großen Lauf, dank dem das südhessische Fußballflaggschiff mal wieder in den gesicherten Hafen schippern durfte. Es war der „Rettungshattrick auf dem letzten Drücker“ nach dem 0:0 auf der Wattenscheider Lohrheide 1989 und dem eigentlichen sportlichen Abstieg 1990, der im Nachhinein aufgrund des Lizenzentzugs von „Wen woll´n wir fressen, RW Essen“ aufgehoben wurde.

Weiß und Lauf sorgten also für das Happyend, dem sich die Meenzer anschlossen (ebenfalls knapp durch´s Ziel gewandert). Lauf, dessen 2:1 als sein einziger (dafür umso wertvoller) Treffer in den Annalen Einzug erhielt, ging nach der Runde zur SG Egelsbach zurück und sprengte also das Thomas-Duo. Ein solch produktives Tandem mit diesem identischen aramäischen Vornamen gab es bezüglich ihrer Lilienverdienste dann erst nach dem Millennium wieder zu bewundern (intern natürlich auch zuvor, wahrscheinlich aber kaum für die nicht so involvierte Öffentlichkeit) und verzauberte unlängst alle Cineasten mit dem hochverdient prämierten Meisterwerk „90 Minuten 98“. Weil nicht jeder den Beruf Spengler ausüben kann, dürfen auch die blau-weißen Filmemacher mal die Korge knallen lassen...

Noch einmal zur eigentlichen Story: Neben den „Thomasen“ gebührte zweifellos Wilhelm Huxhorn der Löwenanteil am bis heute letzten Zweitligaklassenerhalt (eine Saison darauf begann durch den Abstieg das „dunkle Zeitalter“ und 14/15 ging der Durchmarschfahrstuhl ja wundersamerweise nach ganz oben). Zunächst hielt die viel zu früh von uns gegangene Torwartlegende aus Pungscht durch seine erstklassigen Reflexe die Hoffnung aufrecht und dann bescherte ihm die Klassenverteidigung doppelte Freude. Im Falle einer Relegation hätte Wilhelm die Hochzeitsreise nach Mallorca verschieben müssen. So aber lautete sein Aufenthaltsort Ende Mai 1992 wie geplant Ballermann (ohne Bodo Mattern) statt Köln-Süd...

 

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James Cagney

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Einige behaupten, er könne alle Tore des SV98, deren Schützen und die korrekte Spielminute in historischer Reihenfolge aufsagen, ohne einmal Luft zu holen...

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