Montag, 25 Januar 2016

Big Points

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Auswärtsspiel Bundesliga Hannover 96 Saison 2015-2016 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 1154

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Big Points

Kein Zweifel, das war ein wichtiger Sieg! Drei Punkte bei einem direkten Konkurrenten im Kampf um den Ligaerhalt sind fast unbezahlbar. Da der Rest im Keller durchweg aber gepunktet hat, darf man sich keiner Illusion hingeben, der Kampf um den Klassenerhalt wird uns noch lange begleiten. Man darf aber konstatieren, dass er Spaß machen kann. In Hannover begann der Spaß so ab der 30.Minute, davor war Stirnrunzeln angesagt.

War es der Schwung des neuen Trainers in Hannover? War es die Ehrfurcht vor den vermeintlichen Big Names Szalai und Almeida? Oder musste das Lilienteam sich nach der kurzen Winterpause im Ligaalltag erst wieder zurecht finden? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem verursachte die schwache Startphase der Heiner. Durchweg konnte Hannover agieren, wie es sie beliebte. Schnelle Ballstaffetten und hohe Laufbereitschaft zeigten die „Roten“ und gingen folgerichtig in der 10.Minute durch Almeida in Führung. Ja, der Ball fiel dem Portugiesen glücklich vor die Füße, aber sein unwiderstehlicher und unhaltbarer Schuss lies seine Klasse aufblitzen.

Aber kann Fußball so einfach sein? Funktioniert er wie eine Managersimulation auf der Playstation? Man verpflichtet einen alternden, millionenschweren Star, der dann als personifizierter Heilsbringer eine komplett schlechte Halbserie im Alleingang revidiert? Zumindest erhoffte man sich das an der Leine und sah sich in der 10 Minute bestätigt. „Siehste, alles richtig gemacht“ dachten wohl alle, die sich freudig abklatschten. Aber ganz so einfach scheint Fußball im richtigen Leben doch nicht zu sein. Komplexe Spielabläufe lassen sich nicht über Nacht einstudieren und den Willen, den man zum Erfolg benötigt, kann man nicht am Taktikboard verordnen.

Denn das Spiel nahm nicht den Lauf, den sich die Niedersachsen nach Anfangsphase erhofften. Der Grund hierfür: Schusters Eleven besann sich auf die eigenen Stärken und viel gepriesenen Tugenden. Auf einmal tat es im Mittelfeld einem Hannoveraner auch mal weh, weil die Räume von den Lilien nun eng gemacht wurden. Man spricht ja oft genug davon , dass Spieler mal ein hartes Zeichen setzen, indem sie bewusst etwas härter in einen Zweikampf gehen. Zwar goutiert der Spielleiter das oft mit einer Verwarnung, aber ebenso oft zeigen diese Signale Wirkung – hüben wie drüben.

Am Samstag holten sich Niemeyer und Wagner binnen drei Minuten (22. - 25. Minute) die obligate Verwarnung ab und signalisierten: „Wir haben keine Lust hier kampflos unterzugehen“. Zufall, dass 6 Minuten später der Ausgleich durch Sandro Wagner fiel? Wohl eher nicht. Denn, wie beschrieben, fanden die Lilien über den Kampf zum Spiel und gewannen von Minute zu Minute die Überhand. Hätte Niemeyer mit seinem Heber an den Pfosten in der 45.Minuten nicht ausgesprochenes Pech gehabt, wären die Heiner bereits mit einer Führung zum Pausentee gegangen und die Gastgeber hätten sich nicht beschweren dürfen.

Was Peter Niemeyer im ersten Durchgang noch versagt blieb gelang Sandro Wagner dann aber in der 47.Minute. Mit seinem ersten Doppelpack auf fremden Boden machte er den ersten Auswärtsdreier des Jahres gleich im Punktspielauftakt klar. Hier schrieb der Fußball – oder besser Wagner selbst – gleich mehrere Geschichten. Wagner war es, der im Trainingslager in der Türkei nicht voll mittrainieren konnte, da er verletzt war. Wagner war es, um den sich in der Winterpause Gerüchte rankten, es gebe eine 10 Millionen Offerte für ihn aus England. Wagner war es, der dem Cheftrainer signalisierte, fit fürs erste Punktspiel des Jahres zu sein zu sein, in Wirklichkeit war er noch angeschlagen. Rufen die Medien nicht immer nach Typen im immer stromlinienförmigeren „Geschäft“ Fußball? Voilà, da wäre einer…

Aber der Sieg in Hannover schrieb auch noch andere Geschichten, die um die beiden Lilien mit Vergangenheit bei Hannover 96, Jan Rosenthal und Kocka Rausch.

Jan Rosenthal war der zweite Spieler, der das Trainingslager nicht komplett absolvierte. Aus privaten Gründen reiste er ab und bereitete sich individuell auf die kommenden Aufgaben vor. Und wie er das tat! Er bereitete beide Treffer vor und zeigte eine ansprechende Leistung, die ihm viele nicht zugetraut hätten – in Managersimulationen rächt es sich sofort, wenn ein Spieler nicht so trainiert, wie es richtig wäre. In diesem Fall muss man wohl Dirk Schuster bescheinigen alles richtig gemacht zu haben, er half dem Spieler in schwerer Zeit und vertraute ihm, sich verantwortlich vorzubereiten. Zumindest am Samstag zahlte der gute Jan mit guter Leistung zurück.

Die Geschichte von Kocka Rausch ist da schon etwas unromantischer, obwohl er sie eigentlich romantisch dachte. Bei seiner Auswechslung, die von Hannovers Nordtribüne mit einem gellenden Pfeifkonzert begleitet wurde, hielt Kocka kurz inne und formte in Richtung dieser Fans ein Herz. Er wollte einach zum Ausdruck bringen, dass er sich gerne an seine Zeit in und um Hannover zurück erinnert und, dass er die, die ihn früher anfeuerten nicht vergessen hat. Schiedsrichter Aytekin schien in seinen Denkmodellen eine solch nette Geste nicht im Repertoire zu haben. Er unterstellte Rausch eine Provokation der Heimfans und goutierte die nette Geste mit dem gelben Karton. Come on DFB! Bringt euren Schiedsrichtern in den Lehrgängen auch mal etwas Humor und Fingerspitzengefühl bei… Unmenschliche Pfeifroboter will keiner sehen!

Zurück zum Sportlichen. Der Sieg der Lilien ist hochverdient, so bestätigen es auch alle Leitmedien. Vor allem verdient, weil der SV98 sich seiner sprichwörtlichen Tugenden besann und zeigte, dass er sich auch weiterentwickelt hat. Denn spielerisch fanden Schusters Kicker im zweiten Durchgang oft genug Mittel, um das Spiel endgültig zu entscheiden. Einzig Pech oder Unkonzentriertheit verhinderten den Treffer zum 1:3. Wer will aber z.B. Marcel Heller vorwerfen, dass er in der 86.Minuten nach 40 Meter Spurt nicht mehr konzentriert abschließt? Hier wird vielmehr ersichtlich, woran es im Kader noch mangelt: Weitere offensive Alternativen. Nicht umsonst schaut sich Dirk Schuster derzeit auf dem Transfermarkt um.

Die zweite von ihm selbst angesprochenen Problemzone, die linke Abwehrseite, scheint dagegen gelöst. Luca Caldirola machte auf der Position des linken Außenverteidigers eine starke Partie und Slobodan Rajkovic spielte in der Innenverteidigung an der Seite von Captain Sulu, als hätte er nie etwas anderes getan.

Die Lehren des Spieltags?

  • Geld alleine wird wohl den Kampf um den Klassenerhalt nicht entscheiden.
  • Fußball ist komplexer, als die Playstation Simulationen
  • Der SV98 kann auch Tore aus dem Spiel heraus erzielen, in Hannover sogar zwei

 

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