Mittwoch, 05 März 2014

Beton am Bein

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags Kommentar Stadion SV Darmstadt 98, Aufrufe: 992

Kommentar

Beton am Bein

Unsere altehrwürdige Kultstätte ist in die Jahre gekommen. Bewusst war uns allen das ja irgendwie schon. Aber so, wie manche an ihren rostigen Gefährten hängen bis dass der TÜV sie scheidet, steht nun unwiderruflich der Abschied vom Stadion in der gewohnten Form an. Die TÜV-Instanz wird in diesem Fall von den Lizenz vergebenden Verbänden DFB und DFL übernommen.

Dass die DFL eine Rolle spielt ist dem Umstand geschuldet, dass Dirk Schuster die Lehren der Vorsaison zu unserer aller Freude über die Maßen gezogen hat und aus den Lilien ein Spitzenteam der 3.Liga formte. Ein Spitzenteam, dem mittlerweile nicht nur ausgemachte Fachleute den Sprung in die „alte Heimat“ 2.Liga zutrauen. Immerhin spielte der Sportverein in seiner Geschichte bereits 54 Jahre in der jeweils zweithöchsten Liga. Und dies tat er seit 1920 an der bekannten Stelle, die damals weitab vom Schuss, vor den Toren der Stadt lag.

Seit dem Abstieg aus dem Unterhaus des deutschen Fußballs war der SV98 stets ein gefühlter Zweitligist, der sich allenfalls im Exil der Feld-, Wald- und Wiesenligen befand. Zumindest war das im Kopf der Fans und im Kopf der Autoren, die die Spieltagsheftchen dichteten so. Dass sich aber der echte Profifußball mit jedem Tag der Absenz mit atemberaubenden Tempo von den Lilien entfernte, bemerkte keiner so recht. Oder wollte es nicht bemerken, beim alleinigen Possmsan-Cup Sieger schien die Welt ja bestens sortiert.

thumb stadion1920In Wirklichkeit bekam der Verein den Umschwung in Form der stetigen Professionalisierung direkt nach seinem Abschied aus der zweiten Liga vorgeführt. Alleine die in der Saison 93 /  94 ausgezahlten TV-Gelder hätten den Verein, der „abgestiegen war, um sich in der Oberliga zu konsolidieren“, zumindest auf null gestellt. Seit dieser Saison explodieren die TV-Zahlungen an die Vereine und der Einfluss der übertragenden Sender wächst mit den Nullen vor dem Komma, von Jahr zu Jahr. Diesem Einfluss verdanken wir die rigide anmutenden Auflagen, die die DFL nun formuliert.

Rasenheizung, damit bei 5 cm Schneefall die Übertragung nicht ausfällt. Aufrüsten der Flutlichtanlage, damit die modernen HD und 4K Kameras aus jedem Stadion die gleiche Bildqualität ins Wohnzimmer liefern. Dezidierte Pressearbeitsplätze, bei denen selbst die Anzahl der Steckdosen und die Qualität des Online-Anschlusses vorgeschrieben ist. Bei all diesen Punkten kennt die DFL keinen Spielraum. Klar, die Übertragungsrechte wurden erst kürzlich auch in unserem Land zum Milliardengeschäft. Und der Vertragspartner SKY hat sicherlich ordentliche Vertragsstrafen formuliert, sollte eine Übertragung aus Gründen ausfallen, die fern der ominösen „höheren Gewalt“ liegen.

Also muss unser Altehrwürdiges mindestens für einen siebenstelligen Betrag aufgehübscht werden. Und selbst dann wäre die Kultstätte nur ein temporär geduldetes Provisorium. Von der großen Lösung, einer kompletten Sanierung, die de Facto einem Neubau gleichkäme, ist da noch gar nicht die Rede. An dieser Front kämpft gerade die Politik auf allen lokalen, regionalen und überregionalen Ebenen. Wiedermal klar, ist doch die Stadt Darmstadt Eigentümer der maroden Stätte. Darüber werden wir sicherlich noch an dieser Stelle reden...

Gut, könnte man meinen, dann lassen wir schweren Herzens die sich bietende Chance des Uffstiechs ins Land ziehen und schaffen erstmal die Voraussetzungen. Falsch gedacht! Denn der, für die 3.Liga zuständige DFB, will die 3.Liga aufwerten und die Rahmenbedingungen zum Erhalt einer Spielerlaubnis werden denen des echten Profifußballs, unter der DFL Federführung angepasst.
Also kann ein sportlicher Erfolg Fakten die schaffen, die an keiner Stelle wegdiskutiert werden können. Der Aufstieg als Lebensversicherung – quasi...

Eine nicht gerade leichte Situation, in der sich der Verein befindet. Sportlich hat man den Nachweis erbracht, auch Höherem gerecht zu werden. Aber die Weichenstellung über die Zukunft des Vereins wird derzeit maßgeblich nicht von Trainingsanzugträgern, sondern von Anzugträgern entschieden. Sollte es den Machern hinter den Kulissen nicht gelingen eine kurzfristige Möglichkeit zum Spielen in Liga 2 zu realisieren, werden sich Grundsatzfragen stellen. Denn ohne diese Möglichkeit und ohne die Perspektive über ein neues Stadion zu verfügen, wird das Abenteuer Profifußball in Darmstadt nur noch in den Geschichtsbüchern existieren. Die Antworten auf diese Fragen werden wir bald erhalten...

Ohne Zweifel, 21 Jahre des Dornröschenschlafs müssen mit Lichtgeschwindigkeit aufgeholt werden und das ist eine Herkulesaufgabe. Aber es geht um nicht mehr oder nicht weniger als um die Zukunft des Sportvereins von 1898...        

   

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