Mittwoch, 06 September 2017

Beim SVD, beim SVD, da holt der VfL keine Punkte…

Geschrieben von: James Cagney, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags 2_Bundesliga Heimspiel Saison 2017-2018 SV Darmstadt 98 VfL Bochum, Aufrufe: 968

#D98VFL

Beim SVD, beim SVD, da holt der VfL keine Punkte…

Dieter Bast soll gefälligst sein Monopol behalten. Nichts anderes wünscht sich jeder Lilienfan. Hm, einige werden jetzt fragen: Was hat der 412fache Bundesligakicker mit einem Alleinanspruch bezüglich der Duelle zwischen dem SV Darmstadt und dem VfL Bochum am Hut? Nun, er war der einzige Balljongleur im Trikot des Ruhrpottklubs, dem jemals die Ehre zuteil kam, am Bölle ein Tor zu erzielen.

Am Sonntag gastieren die Westfalen zum vierten Mal im Heinertempel an der Nieder-Ramstädter Straße. Auf seinen bisherigen drei Dienstreisen bekam der Verein für Leibesübungen 1848 vom Sportverein 1898 durch die Bank jegliche Leviten gelesen. Anlass genug, um vor dem (hoffentlich) vierten Heimsiegstreich gegen den Revieropponenten das vergangene Matchterzett hier zu rekonstruieren…

Teil Eins: Südkoreanische Eintagsfliege summt nur zwischen den Jahren

Die Festgans lag noch schwer im Magen und die Silvesterkracher waren schon eingekauft, als die Lilien am 30.12.1978 zum Premierenvergleich den damaligen Bundesligadauerbrenner empfingen. Wegen des sibirischen Winters 78/79 hatten Frau Holle und Väterchen Frost Hochkonjunktur und die zwei Wochen zuvor deshalb ausgefallene Partie musste an diesem höchst ungewöhnlichen Termin nachgeholt werden. Das Bundesligagreenhorn SV98 mit seinen legendären Feierabendprofis konnte vor dem Anstoß erst auf zwei Siege seines ersten Beletage-Abenteuers zurückblicken (gegen die Biene Maja aus Lüdenscheid-Nord sowie die Fohlen vom Bökelberg) und stand als Tabellenvorletzter bereits mit dem Rücken zur Wand.

Am Vorschlusstag des Kalenderjahres 1978 bestimmte nicht nur Blau-Weiß (beiderseitige Klubfarbe) die Kolorierung am Bölle, sondern auch etliche südkoreanische Fähnchen, die rund 700 aus allen Winkeln der Bundesrepublik plus des angrenzenden Auslands angereiste Landsleute des Cha Bum-kun (offizielle Schreibweise und nicht „Bum-Bum“, „Bumsfallera“ oder Cha-cha-cha“, wie sein Name in der Yellow Press veralbert wurde) in freudiger Erwartung schwenkten. Pünktlich am Heiligen Abend war der damals schon mit 141 Nationalspielen dekorierte populärste Fernostprotagonist seit Godzilla und den sieben Samurai dank hilfreicher Vermittlung einer in Liechtenstein ansässigen Sportmanagementgesellschaft als hoffnungsvolles Weihnachtspräsent in Darmstadt gelandet. Auch Eckhard Krautzun (lange vor seinen mehrmaligen 98er-Engagements und seinerzeit Dompteur der Sechziger Löwen) beeinflusste durch seine Schwärmerei über die Qualitäten des trickreichen Angreifers positiv den ablösefreien Sensationstransfer (der coachende Kosmopolit hatte zuvor schon die koreanische Auswahlmannschaft betreut).

Lothar Buchmann war ob des prominenten Kaderzuwachses auf jeden Fall hellauf begeistert und beförderte den Volkshelden vom südlichen Teil der koreanischen Halbinsel gegen Bochum sofort zum Linksaußen der Anfangsformation. Sein Gegenüber Heinz Höher stellte niemand geringeren als „Tiger“ Hermann Gerland, den 90 Minuten später leichte Schwindelanfälle übermannten, als „Cha-Bewacher“ ab. Neben dem Debütanten feierten mit Walter Bechtold und Peter Cestonaro zwei altbekannte Heroen nach längeren Verletzungspausen ihr Comeback. Die drei personellen Veränderungen fruchteten: Der asiatische Import wirbelte auf dem Flügel, „Mein Gott Walter“ versenkte einen seiner gefürchteten Freistöße zum 1:0, „Ces-Tornado“ knipste gewohnt abgezockt zum 2:1 (kurz davor hatte Dieter Bast durch einen umstrittenen Foulelfmeter egalisiert) und Uwe Hahn markierte sieben Wochen nach seiner im bajuwarischen Nebel Richtung Maier Sepp abgesendeten Jahrhundertbogenlampe den Schlusspunkt zum 3:1-Erfolg.

In der 77. Minute gönnte Buchmann seinem neuen Schützling das Bad in der Menge. 13000 Fans verabschiedeten Cha mit Standing Ovations, nichtahnend, dass sie gerade Zeuge eines „One Night Stands“ wurden. Neben der gelungenen Performance gegen den VfL blieb vom Südkoreaner nur ein auf der Bölle-Geschäftsstelle deponierter Briefumschlag mit dem Inhalt von 1500 DM im Gedächtnis haften. Cha reiste am 4. Januar 1979 überstürzt ab und vergaß das Zastercouvert (1000 Mark Sieg- plus 500 Mark Einsatzprämie) abzuholen. Den SV98 kostete das kurze Zwischenspiel ergo keinen Pfennig, weil die Liechtensteiner Werbeagentur das Hinflugticket (1700 Mark) löhnte und der koreanische Verband für den Rückflug nach Seoul aufkam. Den Grund lieferte das Verteidigungsministerium dem staunenden Blätterwald ab: Cha musste noch seine fehlenden fünf Militärmonate bei der Luftwaffe absolvieren. So verwandelte sich der Dribbelkünstler gemäß seines Heinerintermezzos in einen asiatischen Otto Lilienthal, ehe er Mitte 1979 den Adlerhorst am Main ansteuerte und 1989 Pillen schluckend in Vizekusen seine Karriere beendete.

Teil Zwei: Cestonaro, Hahn und Mattern stoßen Grönemeyer bitter auf

Am Mittwoch, dem 26. August 1981, kam es im Rahmen des vierten Bundesligaspieltags zur zweiten Bölle-Konfrontation zwischen SVD & VfL. Die Rollen vor dem Kick-off waren klar verteilt. Während das Ruhrpottensemble dank drei Siegen optimal aus den Startlöchern geschlüpft war und den besten Auftakt seiner Oberhausära verbuchte, dümpelte der SV98 auch beim zweiten Stelldichein in Deutschlands höchster Kickstaffel mit nur einem eroberten Pünktchen sofort im Ranglistenkeller. Übungsleiter Werner Olk posaunte ungeachtet des westfälischen Favoritenmodus: „Wir holen Bochum wieder in den Kreis der grauen Mäuse zurück“. Für die Verwirklichung dieses Unterfangens korrigierte er seine defensive Ausrichtung und trat erstmals mit zwei Sturmspitzen an. Neben dem gesetzten Peter Cestonaro proklamierte Olk nach drei Jokereinsätzen die Startelfpremiere von Neuzugang Bodo Mattern, der vor der Saison sein Wigwam vor vom rheinhessischen Nibelungenland in die südhessische Residenzstadt verfrachtete. Das kongeniale Offensivtandem war geboren.

Die Systemänderung von Olk griff zur Freude der heimischen 16000 Zuschauer. Allerdings rauften sie sich im ersten Durchgang die Haare, weil die besten Einlochgelegenheiten liegen gelassen wurden. Erst ein Foul vom unbeholfenen Lothar Wölk am clever provozierten Cestonaro brach den Bann. Uwe Hahn holte den Hammer raus und verschickte im zweiten Anlauf den fälligen Freistoß ins Ziel. Auch die endgültige Siegdokumentation resultierte aus einem ruhenden Ball. In der Schlussphase riss Michael Lameck nach einem eigenen zu kurzen Rückpass Bodo Mattern im Sechzehner um. Der Geschädigte übernahm höchstpersönlich die Verantwortung vom Punkt und bejubelte aus elf Metern seine erste von insgesamt neunzehn Bundesligabuden. Der finale 2:0-Score war eingetütet und der erste Bundesligadreier 81/82 in trockenen Tüchern. Zwar endete auch die zweite Runde des Sportvereins in der Eliteklasse ohne Happyend, aber immerhin behielt Werner Olk mit seiner Prognose recht: Der VfL Bochum fügte sich nach dem Dämpfer seinem „Biedermannschicksal“ und purzelte wieder Richtung tabellarischer Tristesse.

Es gab anno dazumal neben den nackten sportlichen Details aber auch noch eine andere Story, die bis heute weitgehend der Öffentlichkeit verborgen blieb. Auf der Tribüne des Bölle drückte Herbert Grönemeyer, seines Zeichens glühender Anhänger des VfL, seit ihn seine Eltern als einjährigen Knirps vom alkoholfreien Clausthal-Zellerfeld ins hochprozentige Bochumer Bermudadreieck umbetteten (sonst wäre er wohl als Fan von Göttingen 05 oder dem Goslarer SC aufgewachsen), vergeblich seinen Lieblingen die Daumen. Der auch schauspielernde Barde schwänzte nach Rücksprache mit Regisseur Wolfgang Petersen, „Kaleun“ Jürgen Prochnow und Funkmaat Heinz Hönig für den Ausflug nach Darmstadt sogar extra die gleichzeitige Uraufführung des Filmklassikers „Das Boot“.

Ebenso wenig ist bekannt, dass sich an jenem Sommerabend Grönemeyer beim Anblick des einzigartigen Bölle-Flairs die Inspiration für seine künftigen Gassenhauer einsaugte. Als er kurz vom schweißtreibenden Job der Männer auf dem grünen Rasen wegschweifte und die vor ihm sitzende Grazie erspähte, spürte er Flugzeuge im Bauch und hauchte ihr zu: „Mensch, Deine Liebe klebt“. Wenig später beobachtete der „einzige U96-Überlebende“ die Arbeit der Balljungen und wünschte Kinder an die Macht, ehe er angesichts der schwachen Vorstellung seines Teams Heimweh nach tief im Westen verspürte und an den kulinarischen Ständen mit reichlich Alkohol und einer Currywurst seinen Frust hinunter spülte bzw. schlingerte...

Teil Drei: Der Durchmarsch nimmt Konturen an

34 Jahre mussten sich die blau-weißen Genossen aus Südhessen und dem Revier für ein drittes Meeting am Bölle gedulden. Nach den früheren Bundesligakonfrontationen stellten die kickenden Protagonisten nun im Zweitligaschaufenster ihre Fußballkünste aus. Man schrieb den fünften April 2015 und es war Ostersonntag, als der SV98 am 27. Spieltag dem VfL zwei Eier ins Nest legte und seinem anbahnenden Sensationsdirektmandat von der Dritten Liga zurück in die Beletage kräftig Nachdruck verlieh.

Während Bochum im tabellarischen Niemandsland versauerte und folgerichtig mit dem Gefühl „Hoffentlich heißt es bald Game Over dieser gebrauchten Saison“ auflief, rochen die Lilien mehr denn je den Durchmarschbraten und schalteten ungeachtet der vorausgegangenen ersten Jahrespleite (unglückliches 0:2 an der längsten Theke der Welt) und angepeitscht von ihren euphorisierten Fans vom Fleck weg den Überlegenheitsschalter an. In der 22. Minute packte Romain Bregerie den Dosenöffner aus und köpfte nach einer Volleyflanke von Marcel Heller den Ball mit Brachialgewalt in die Maschen. Das einzige Manko aus Liliensicht nach einer grandiosen Eröffnungshälfte: Es stand trotz weiterer gutklassiger Möglichkeiten „nur“ 1:0.

Die erste Aktion nach dem Seitenwechsel offenbarte bereits, dass die bis dato äußerst harmlosen Ruhrpottkanoniere nicht kampflos das Feld räumen wollten. Christian Mathenia musste schon sein ganzes Torhüterrepertoire darbieten, um einen Schuss zu entschärfen. Aber auch sein Keeperkollege Michael Esser bewies mehrfach seine Glanzparadenfähigkeit und legte dadurch ein adäquates Bewerbungsschreiben für sein späteres Engagement am Bölle ab. Ein nigerianischer Nationalspieler zerstörte schließlich die finsteren Hinterstübchengedanken, noch den Ausgleich zu kassieren. Nach einer Ecke versenkte Leon Balogun den Ball direkt im westfälischen Kasten und zementierte den nächsten Meilenstein auf dem Weg zum zweiten sportlichen „Wunder“ in Serie.

Es ist also Zeit, dass sich gegen den VfL Bochum wieder was dreht. Im 98er-Programmheft steht blau auf weiß der „Quattrick“ (Begriff entlehnt aus dem DSE-Vokabular) oder übersetzt der vierte Heimsieg im vierten Duell der Traditionsklubs am Bölle.

BWG

 

 

 

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Einige behaupten, er könne alle Tore des SV98, deren Schützen und die korrekte Spielminute in historischer Reihenfolge aufsagen, ohne einmal Luft zu holen...

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