Mittwoch, 08 August 2018

Auf der Reeperbahn nachts um halb neun

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, Tags 2_Bundesliga Auswärtsspiel FC StPauli Saison 2018-2019 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 344

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Auf der Reeperbahn nachts um halb neun

Das erste Auswärtsspiel führt die Heiner gleich mal zu einem Gegner, der historisch gesehen selten eine Reise wert war. Es sei denn, die Lilien traten die Reise nach Hamburg mit Dirk Schuster als Chefcoach an. Gab es früher in schöner Regelmäßigkeit deprimierende Niederlagen in der Hansestadt, kann der “Schusterverein” Darmstadt 98 auf eine makellose Bilanz zurückschauen. Bei den Kiezkickern vom FC St. Pauli gab es zwei 0:1 Siege und bei den Rothosen vom HSV behielt Südhessens Stolz die Oberhand mit zwei 1:2 Erfolgen. Ob die Erfolgsserie im Norden auch diese Saison hält?

Sollte sie halten, würde der Sportverein eine weitere Serie ausbauen, denn dann könnte saisonübergreifend der fünfte Sieg in Folge, bzw. das 13. ungeschlagene Spiel in Folge rausspringen. Klingt beeindruckend, dürfte aber auch entsprechend schwer sein. Denn ähnlich der Lilien, siegte St. Pauli am ersten Spieltag - 1:2 beim Aufsteiger Magdeburg.

Beiden, im Laufe der Zeit zu Kultvereinen gereiften Clubs, gelang es also, zum Einstand einen Aufsteiger in Schach zu halten. Was das wert ist? Wer die höhere Hürde übersprungen hat? Gerade am Anfang einer langen Runde ist es schwer, einzuschätzen, wie weit eine Mannschaft ihre Spielidee entwickelt hat, wie fit das kickende Personal ist und wie sicher die Automatismen schon eingespielt sind. Und genau diese Unwägbarkeiten relativieren die Gesetzmäßigkeiten, die die Eingangs erwähnten Serien scheinbar versprechen. Dabei lässt der moderne Profifußball eine Eingewöhnungsphase in eine neue Saison kaum noch zu. So, wie früher, als man von außen ein paar Spieltage eingeräumt bekam, bevor erstmals eine Zwischenbilanz gezogen wurde, funktioniert die Moderne nicht mehr. Immer mehr setzt sich die Meinung durch, dass es erstrebenswert ist, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt möglichst viele Punkte auf der Guthabenseite zu haben.

Und dies versuchen die Clubs des Unterhauses mitten in der heißen Phase des Transfermarkts. So, wie bei allen anderen Kontrahenten auch, werden die Gegner vom Freitag mit Aufstellungen in den Wettbewerb des Abends gehen, die eventuell in dieser Form nie mehr zusammen auflaufen werden. Bester Beleg ist Dirk Schusters Aussage, die er während der PK vor und zum Kick am Millerntor traf. “Seien Sie sicher, dass wir daran arbeiten, die Qualität des Kaders noch zu steigern”, diktierte er in die Smartphones der anwesenden Pressevertreter.

Trotz des Wissens, dass er derzeit auf einen unvollendeten Kader zurückgreifen kann, ist seine Vorgabe, an die Erfolge der letzten Kiez Ausflüge anzuschließen. Sprich, er will siegen, so, wie es den Lilienfans am liebsten wäre. Wer Schuster aber kennt, der weiß auch, dass ihn auch ein hart erarbeitetes Unentschieden zufrieden stellen kann. Er ist halt ein Trainer, der stets das Erfolgserlebnis sucht. Weil ihm das die Arbeit erleichtert. Ein Trainer, der seine Thesen und Vorgaben mit Erfolgen untermauern kann genießt nunmal das Vertrauen.

Warum soll er auch nicht optimistisch den Weg in den Norden antreten? Nüchtern betrachtet stellt der Sieg gegen Paderborn den Lilien ein besseres Zeugnis aus, als ein Sieg mit einem Tor Vorsprung glauben macht. Die Defensive - Schusters Fundament - zeigte sich weitestgehend souverän, das Mittelfeld ackerte erfolgreich und der neue Stürmer traf gleich bei seinem ersten Auftritt im Lilientrikot. Die Unzulänglichkeiten, die beim ersten Wettkampfspiel fast natürlich an den Tag treten, sind in der Regel dem frühen Zeitpunkt geschuldet. Und ein Gegner muss erstmal weniger Fehler machen.

Sicherlich wird Paulis Trainer, Kauczinksi, ähnlich an das Spiel herangehen und ebenso sicherlich wird er, wie seit dem Abschied aus dem Oberhaus Usus, daran erinnern, dass die Heinerauswahl ein individuell hochkarätig besetztes Team ist, das unter Schuster auch noch unangenehm kompakt auftritt. Aber er wird auch alles daran setzen, sein zweites Erfolgserlebnis in Folge feiern zu dürfen.

Eine Prognose zum Kick auf der Reeperbahn nachts um halb neun verbietet sich also, zu groß sind zu diesem Zeitpunkt der Saison die Variablen.

 

 

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