Montag, 16 Januar 2017

Einweihung des Dr.-Karl-Heß-Platz am Stadion

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: SV98 Aktuell, SV98 Historisch, Darmstadt Aktuell, Darmstadt Historisch, Tags Darmstadt Dr Karl Heß Platz SV Darmstadt 98, Aufrufe: 3333

Einweihung des Dr.-Karl-Heß-Platz am Stadion

„Zukunft braucht Erinnerung“ ist das Motto des „Förderverein Liberale Synagoge“. Neben der Stadt Darmstadt und dem SV Darmstadt 98 zeichnet sich der Förderverein hauptverantwortlich für die Initiative, den Stadionvorplatz zur Gedenkstätte für den ehemaligen Vorsitzenden des SV Darmstadt 98 umzuwidmen. Wo anders, als vor den Toren der Heimat seines geliebten Vereins kann man seiner besser gedenken?

Der jüdische Anwalt Dr. Karl Heß war von 1924 bis 1928 stellvertretender Vorsitzender und ab 1928 Vorsitzender des SV98. Zur Machtübernahme der Nazis, im Jahre 1933, musste Heß sein Amt aufgeben. Aber nicht genug damit, dass er sein Ehrenamt nicht mehr ausüben durfte, gegen ihn wurde darüber hinaus auch ein Berufsverbot ausgesprochen.

Karl Heß floh mit seiner Frau zunächst nach Frankreich und später dann nach Brasilien. Erst 1963 kehrte er in seine geliebte Heimatstadt zurück und fand Arbeit beim städtischen Rechtsamt. 1973 ging er zurück nach Brasilien, wo er im April 1975 in Porto Allegre verstarb.

Als Heß 1963 zurück nach Darmstadt kam begründete er seine Rückkehr mit den Worten: „Ich bin nicht als Jude in mein Heimatland zurückgekehrt, sondern als Deutscher jüdischen Glaubens, der Hitler nicht den Triumph gönnen wollte, ihm seine Heimat geraubt zu haben.“ Es ist übermittelt, dass Dr. Heß sowohl seine Geburtsstadt, als auch den SV98 liebte.

Die Laudatoren, OB Jochen Partsch, Lilien Präsident Rüdiger Fritsch und der Vorsitzende des Förderverein Liberale Synagoge Martin Frenzel, würdigten Dr. Heß. Nutzten aber auch die Gelegenheit, den Bogen in die Neuzeit zu spannen. In Zeiten, in denen Nationalismus und rechtes Gedankengut scheinbar wieder alltagskompatibel zu werden scheinen ist Wachsamkeit gegenüber einem neuen Antisemitismus und Diskriminierung im allgemeinen geboten. Martin Frenzel verwies dabei auf Artikel 1 unseres Grundgesetzes und seine nicht verhandelbare Universalität, „die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Darmstadts neueste Adresse will und soll nicht nur an den verdienten Achtundneuziger erinnern, sondern stellvertretend auch den viele namenlosen gedenken, denen das gleiche Unrecht zuteil wurde.
 
Ein paar Bilder:
 

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