Freitag, 04 März 2016

Nach Dortmund – vor Mainz

Geschrieben von: Joshi, Kategorie: Darmstadt Aktuell, Tags Auswärtsspiel Borussia Dortmund Bundesliga FSV Mainz 05 Heimspiel Saison 2015-2016 SV Darmstadt 98, Aufrufe: 1772

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Nach Dortmund – vor Mainz

Englische Wochen sind Mist, vor allem wenn man viel zutun hat. Spiele anschauen geht noch, aber als Hobby-Blog das Geschehen zu begleiten fällt schwer. In einer Weit, wie der 1.Liga, die medial bis zum Letzten ausgequetscht wird, können wir euch ohnehin nicht mit sensationellen Neuigkeiten überraschen. Aber mit unserer Sicht der Dinge und die ist heute, wie das Wetter, eingetrübt.

sv98-bvbUnd ja, der Mittwoch hat ein gutes Stück trübe Laune verursacht. Denn ich stelle mir die Frage, ob diese Niederlage wirklich so unabwendbar war, wie sie allgemein dargestellt wird. Klar war das der große BvB, der hunderte von Millionen auf dem Papier mehr wert ist als unser kuscheliger Familienverein. Ebenfalls ja, Dortmund ist derzeit der beste Tabellenzweite Europas. Aber: So what? Verbieten die eindrucksvollen Buchwerte, dass man eigene Ansprüche stellt? Warum schenkt man quasi das Spiel im Vorfeld schon ab, indem im gesamten Großherzogtum eine devote Haltung an den Tag gelegt wird. Presse und offizielle Mitteilungen des Vereins verneigen sich vor dem Gegner, als müsse man jedem Dortmunder dankbar die Hand schütteln, weil er überhaupt seine gesegneten Füße in unser Dorf setzt. Hätten in den dunklen Jahren die hessischen Dorfvereine eine ähnliche Haltung an den Tag gelegt, wären wir mit wehenden Fahnen nach einem Jahr Heimatkunde wieder in den Profifußball aufgestiegen. Die Leidenszeit dauerte aber eine gefühlte Ewigkeit, weil jeder Dorfverein das Spiel des Jahres als bestes Leistungsinvest ansah.

Dass die Lilien in der Lage sein können, einen Gegner wie Dortmund zu ärgern, bewiesen sie im Hinspiel. Frech und unbelastet spielte Dirk Schusters Team im Versicherungspark auf und überraschte den selbstgefälligen BvB. So, wie sie in der Hinrunde so manchen Gegner ärgerten. Mittlerweile kennt die Konkurrenz den SV98 und hat sich auf die Spielweise eingestellt. Aber spielen die Lilien noch wie in der Hinrunde? Scheinbar nicht, Dortmund hatte am Mittwoch vergleichsweise leichtes Spiel. Zumindest im Vergleich zum Hinspiel. Denkt man an die Aussagen des besser besetzten Spieltagskaders der Borussen aus dem Hinspiel zurück, so weiß man eins, jeder schwarz-gelbe Kicker hasste die Lilien. Ob die Meinung des zweiten Anzugs der Westfalen in der Retroperspektive auf den Mittwoch ähnlich ist? Wohl kaum.

Artige Verlierer waren die Boys in blue. Einsatz und Kampf kann man ihnen nicht absprechen. Es sind eher die Kleinigkeiten. Es waren schließlich auch nicht die vermeintlichen und tatsächlichen Weltklassespieler der Westfalen, die das Spiel entschieden, es waren die Kleinigkeiten, die das Spielglück vom Woog in den Pott schoben. Werden diese Kleinigkeiten nicht aus dem Unterbewusstsein heraus gesteuert? Dieses Unterbewusstsein, dem tagelang gesagt wurde: Macht nix, wenn ihr gegen DIE verliert.
Dortmund hatte am Mittwoch nicht viel mehr zu bieten, als im Hinspiel. Die Lilien aber weniger, auch wenn es nur Kleinigkeiten waren.

Mag sein, dass ich mit diesen Gedanken falsch liege. Schließlich fügt mir jede Niederlage physisches Ungemach zu. Und zwar, egal gegen welchen Gegner. Aber ich meine eine Änderung im Verhalten unserer Helden ausgemacht zu haben. Eine von der Art, die gefährlich werden kann, weil sie schnell eigendynamisch werden kann. Schließlich ist der offizielle Sprech ja der, dass wir jedem Gegner der Eliteliga demütig gegenüber treten müssen. Und dankbar müssen wir sein, dass wir das erleben dürfen. Ja, dankbar bin ich. Aber das mit der Demut sollte sich spätestens nach der Hinrunde erledigt haben. Wir sind ein normaler Bundesligist. Der Rest der Liga wird nicht müde dies zu betonen. Also sollten wir uns dessen auch bewusst sein. Was spricht dagegen, auch mal gegen die Großen der Liga Ansprüche anzumelden? Und nein, ich plädiere nicht für haltlose Großmäuligkeit.

mainz-sv98Gerade mit Blick auf das anstehende Spiel in Mainz hoffe ich, dass die Momentaufnahme und meine daraus resultierende Meinung nicht mehr als unbedeutend ist. Denn im Grunde kommen auf Südhessens Stolz nur noch Endspiele zu. Bei noch zehn ausstehende Spieltagen sind im Optimalfall noch 30 Punkte in der Verlosung. Spekulativ kann gesagt werden, dass ca. 35 oder 36 Punkte den Klassenerhalt bedeuten. Was nichts anderes bedeutet, als ein Drittel des Möglichen sollte eingefahren werden. Eine hohe Hürde, die machbar ist, wenn...

...sich alle wieder auf die Mission besinnen und auch die Kleinigkeiten wieder stimmen. Und da nehme ich uns Fans ausdrücklich nicht aus. Auch was die Stimmung betrifft, war der Mittwoch (freundlich gesagt) verbesserungswürdig. Zu viele Heiner schienen damit beschäftigt gewesen zu sein, die Stars aus dem Pott zu bewundern. Eine trotzige Stimmung, nach dem Motto: Mir doch egal, gegen wen wir spielen, wars nicht. Im Gegensatz zu vielen Auswärtsspielen. Liegt hier der Schlüssel für die blendende Auswärtsbilanz? Und mit Stimmung meine ich nicht unmotiviertes mit dem Schal wedeln und Schalala vor sich hin zu murmeln. Vielmehr denke ich an den Fußball typischen Support, der in Bielefeld das Stadion energetisch in Lilienhand brachte. Das damalige Lilienteam konnte gar nicht anders als auf der Alm aufzusteigen. Freunde der Lilie: Spätestens ab jetzt gilt es!

Den Anfang macht ein Ausflug zu einem Verein, dessen Erfolgsgeschichte man zwar mit Respekt zur Kenntnis nehmen muss, aber bitte nicht mehr. Es ist eine schlechte Laune des Schicksals gewesen, die den FSV Mainz vor den ruhmreichen SV98 gespült hat. Ich erinnere mich noch an Spiele im alten Bruchweg, da kamen 2/3 der Zuschauer in blau-weiß. Das ehemals zum Großherzogtum gehörende Mainz blickte von Neid zerfressen auf die Lilien. OK, vielleicht etwas überspitzt, aber unter dem Strich steckt ein Stück Wahrheit in jeder Übertreibung. Belegt wird dies unter anderem dadurch, dass man in Mainz von einem Derby spricht. Rund m den Woog hingegen ists ein Spiel, in dem wir was gutzumachen haben. Die unnötige Hinspielniederlage wirkt nach. Nein, zu Sandro Wagners verschossenem Elfmeter verliere ich keine Gedanken mehr. Eine Diskussion, ob der Strafstoß berechtigt war, lehne ich gleich ganz ab.

Was braucht es, damit blau-weiß gegen derzeit starke Mainzer bestehen kann? Meiner Meinung nach nicht viel. Schusters Truppe muss konsequent das von anderen Teams gehasste Verhalten an den Tag legen. Back to the roots sozusagen. Vielleicht sollte der gute Dirk auch mal über die ein oder andere Veränderung der Startelf nachdenken. Marcel Heller wirkt überspielt - als Beispiel. In der Vorwärtsbewegung allgemein wirkt der SV98 seit der Winterpause, trotz aller Erfolge, nicht mehr zielstrebig genug. Zu oft werden komplizierte Spielzüge versucht, anstatt – wie vor gar nicht all zu langer Zeit – der kürzeste Weg zum Tor. Wie bereits erwähnt, Kleinigkeiten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn alle sich auf die typischen Qualitäten besinnen, ist auch in Mainz was drin...

So, das musste mal gesagt werden ;-) Ich hoffe, ihr verkraftet, dass Nachbesprechung und Vorbericht heute mal ein anders Format hatten.

 

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